Bedeutung und Aktualität des christlichen Symbols

Die Crux mit dem Kreuz

Eigentlich machen beide Frauen Werbung für Gott: Pastorin Susanne Lau als Seelsorgerin und Theologin in ihrer Kieler Gemeinde, Eva Jung als Werberin. Das Kreuz ist dabei nicht ganz leicht zu vermitteln. Oder doch?

Das Kreuz mal anders: Vor 15 Jahren gründete Eva Jung die Internetseite godnews.de, um frei das Christentum zu zeigen.

von Johanna Tyrell

Hamburg/Kiel. Wenn Susanne Lau ihre Kirche in Kiel verlässt, fällt ihr Blick auf ein Kreuz. Unzählige glitzernde Bruchstücke eines Spiegels fügen sich zu einem großen Ganzen zusammen. „Man sieht sich darin. Zerbrochen, wie unsere Leben als Menschen sind, aber immer gehalten vom Kreuz“, erklärt sie. Vor einigen Jahren habe sie es zusammen mit den Konfirmanden der Gemeinde gestaltet. Susanne Lau ist Pastorin der Kreuzkirche in Kiel. Das Kreuz, ihr täglicher Begleiter – im Dienst und ganz persönlich.

Traditionell steht das Kreuz für Jesu Opfertod

Der Sohn Gottes stirbt stellvertretend für die sündigen Menschen, damit Gott ihnen wieder zugetan ist. Für Lau eine schwierige Lesart. Für sie symbolisiert das Zeichen vielmehr ein „Du bist nicht allein mit deiner Not. Jesus kennt die Qual und trägt sie mit“. Als Symbol veranschaulicht die Beziehung des Menschen zu Gott die senkrechte Achse, sie geht von oben nach unten und umgekehrt. Zugleich verbindet Mensch und Mensch die waagerechte Achse. „Es ist ein Siegeszeichen, aber auch gleichzeitig ein Marterpfahl“, sagt Lau, kein leichtes Zeichen also in der persönlichen Auseinandersetzung und in der Vermittlung.

Das Kreuz als Markenzeichen

Auf letztere hat sich Eva Jung spezialisiert. Sie ist Kommunikationsdesignerin und Autorin, Gründerin und Geschäftsführerin von gobasil.com, einer Hamburger Agentur, die viel im Bereich der kreativen Glaubenskommunikation unterwegs ist – kurz: sie macht Werbung für Gott und die Kirche. „Wenn man das Kreuz nur als Branding-Aspekt sieht, ist es ein tolles Zeichen. Es ist unheimlich simpel, und man kann total viel damit machen. Es ist schlicht und hat einen Wiedererkennungswert“, erklärt sie.

Ein Kreuz könne sowohl aus zwei übereinander liegenden Ecken bestehen als auch aus zwei Kondensstreifen von Flugzeugen entstehen, eher als X. Egal, wo sich die Linien überschneiden, es entsteht immer ein Kreuz. „Es ist sehr weit spielbar und nicht geschützt – selbst Scientology kann es nutzen.“ Doch das sei auch die Crux des Kreuzes. Es sei so vielfältig, dass die Kirche es nicht für sich allein in Anspruch nehmen kann.

Ihre Kreation: Die Basis-Bibel, deren Gesamtübersetzung nun auf dem Markt ist. Das Kreuz unübersehbar auf den farbenfrohen Covern. „Wir haben das Kreuz bewusst so groß gemacht, dass es schon fast keins mehr ist“, erklärt Jung. Durch den farbigen Seitenschnitt und dadurch, dass das Kreuz sich über die Ränder des Buchcovers zieht, sehe es schon fast wie ein Geschenkband aus. „Quasi die Bibel als ein Geschenk des Himmels“, so Jung.

Das Wasserzeichen in unserem Leben

Doch wenn das Kreuz nicht das beste Symbol der Glaubenskommunikation ist – was kann man dann nutzen? „Wir versuchen so wenig wie möglich Schubladen zu bedienen“, sagt Jung. Denn die Kirche würde ohnehin schon in genug Schubladen gesteckt werden. Vielmehr müsse man sich in der christlichen Glaubenskommunikation fragen, „was das von damals mit meinem heutigen Alltag zu tun hat“, so Jung.

Das Kreuz in den Alltag bringen, das ist es auch, was Susanne Lau macht. „Das Kreuz ist wie ein Wasserzeichen in unserem Leben“, sagt sie. Auch Eva Jung sieht es als ihre Aufgabe, die Botschaft des Kreuzes in den heutigen Kontext zu übersetzen. Da kann es schon mal sein, dass das Bild einer Dose Spinat passender ist als das traditionelle Kreuz.

Wo sind die Grenzen der Kreativität in der Glaubenskommunikation?

„Ich sehe da eigentlich keine Grenzen“, sagt sie. Vielmehr erlebe sie Gott als das kreative Wesen schlechthin. Die ganze Schöpfung sei ein Abbild dieser Kreativität.
Doch wie können die schweren Attribute, die beim christlichen Kreuz mitschwingen, kommuniziert werden? „Der Tod ist kein schwierigeres Thema als die Freude. Man muss sich in den Empfänger hineinversetzen“, sagt Jung. So sieht es auch Susanne Lau. „Seelsorgerisch ist es leicht zu kommunizieren: Du bist nicht alleine in deiner Not“, erklärt sie. „Wenn so eine schwere Not da ist, dann hilft kein Sonnenzeichen, sondern Verständnis und die Gewissheit, dass da jemand ist, der dich versteht und dich trägt.“

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