Sonntag: Psalm 84
Montag: Lukas 20, 41-47
Dienstag: Lukas 21, 1-4
Mittwoch: Lukas 21, 5-19
Donnerstag: Lukas 21, 20-28
Freitag: Lukas 21, 29-38
Samstag: Lukas 22, 1-6
Die Geschichte vom Scherflein der Witwe hat es in sich: Sie gab sich ganz und gar – ohne jeden weiteren Notgroschen – in Gottes Hand. Aber dass sie diese Geste so sichtbar vor dem Tempel vor ihren Mitmenschen tat, bedeutete zugleich: Sie gab sich in die Fürsorge der ganzen Gemeinschaft. Sich in Gottes Hand fallen zu lassen, hieß also praktisch, sich in die Verantwortung seiner Gemeinde hier in der Welt und vor Ort zu begeben. Deren geschwisterliche – oder soll man sagen: soziale, solidarische – Fürsorge und Vorsorge macht Gottes Zuwendung spürbar.
Die Abschnitte über die Endzeit gehen – ähnlich wie bei der Bergpredigt und den Gleichnissen – nicht auf eine einzelne Rede Jesu zurück. Vielmehr sind Worte, die bei verschiedenen Gelegenheiten gesagt worden sind, später jeweils unter einem Stichwort gesammelt worden. Hier werden die Fragen aufgenommen, die besonders in Krisenzeiten zur letzten Zeit der Menschen und überhaupt der Welt gestellt wurden und werden: Wann wird das geschehen und woran erkennen wir das? Werden gar wir selbst das alles noch erleben?
Die frühen Gemeinden und nicht zuletzt Paulus rechneten mit der baldigen Wiederkunft des Auferstandenen, ja sie verstanden die Auferstehung als solche schon als den Anfang dieser letzten Ereignisse. Und sie hatten in einem weiteren Sinn damit Recht, auch wenn die Welt weiter Bestand hatte. Denn alle oder fast alle Kennzeichen für das Weltende waren in der damaligen Gegenwart vorhanden. Kriege, Aufruhr, Hass der Völker, Erdbeben, Vulkanausbrüche (der Vesuv vernichtete im Jahre 79 Pompeji!), Hungersnöte und schreckliche Seuchen, alles das erlebten die Menschen damals. Aber es stimmt eben auch, dass es so gut wie keine Zeit in der Geschichte der Menschheit vorher und nachher gibt, die ohne diese End-Zeichen abgelaufen wäre. Für die betroffenen Menschen ist das die Endzeit, die Frage nach dem Weltende stellt sich für sie nicht mehr. Die Frage bleibt in einem anderen Horizont.
Wann kommt der Herr in einer hellen Wolke und mit Kraft und Herrlichkeit? Und geschieht das vor Augen oder in den Herzen von Menschen, die aufsehen und die Häupter erheben, die gerade in diesen Verwüstungen den aufrechten Gang wagen, zu dem Gott seine Geschöpfe befähigt hat? Aber das andere gilt auch: Gottes Wort bleibt, sein Ruf, seine Zusage und sein Trost vergehen nicht. Darum sind Christen zum aufrechten Gang der Hoffnung aufgerufen(21,28), wann und wo auch immer.