Die Aussagen von Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) zu Einsparpotenzialen in der Eingliederungshilfe stoßen bei Dietmar Prexl, dem Vorstandsvorsitzenden der Diakonie Stetten, auf deutliche Kritik. Der richtige Hebel für Einsparungen bei den Kommunen liege nicht in Kürzungen zulasten von Menschen mit Behinderungen, sondern in modernen Prozessen, teilte die Diakonie Stetten am Sonntagabend in Kernen (Rems-Murr-Kreis) mit.
Am vergangenen Dienstag hatte Nopper in der „Stuttgarter Zeitung“ die finanzielle Lage der Städte und Gemeinden als Ende eines vermeintlichen „Schlaraffenlands“ bezeichnet und dabei auch Angebote für Menschen mit Behinderungen in den Blick genommen. Die Wortwahl, so die Diakonie Stetten, reihe sich ein in eine Reihe zugespitzter Beiträge aus der kommunalen Politik Baden-Württembergs, darunter die Aussagen der Oberbürgermeister von Tübingen, Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd und Esslingen.
Prexl kritisiert diese Rhetorik deutlich: „Die ‚Schlaraffenland‘-Metapher greift in dieser Debatte völlig fehl. Sie verschiebt den Blick weg von einem lösbaren Verwaltungs- und Strukturproblem hin zu einer Diskussion über vermeintliche Überversorgung.“ Die Lebensrealität der Betroffenen sei „weit von einem Schlaraffenland entfernt“. Teilhabe müsse verlässlich gesichert werden, gleichzeitig seien die Kommunen spürbar zu entlasten. Dies könne durch konsequenten Bürokratieabbau, klare Standards und durchgängige digitale Prozesse geschehen. Bisher seien die Abläufe teils papierbasiert und uneinheitlich. „Wir sind bereit, sofort mit der Stadt Stuttgart an Standards, Vereinheitlichungen und digitalen Abläufen zu arbeiten“, so Prexl.
Mit rund 4.000 Mitarbeitern gehört die im Jahr 1849 gegründete Diakonie Stetten zu den großen Trägern sozialer Dienstleistungen in Baden-Württemberg. (0125/19.01.2026)