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Diakonie: Bezahlbares Wohnen ist zentrale soziale Frage

Die Diakonie Baden hat bezahlbares Wohnen als eine der zentralen sozialen Fragen der heutigen Zeit bezeichnet. Eine Wohnung bedeute Sicherheit, die Möglichkeit von Teilhabe und ein Leben in Würde, sagte die Vorstandsvorsitzende der Diakonie Baden, Sabine Jung, am Montag beim Besuch der Karlsruher Bahnhofsmission. Immer mehr Menschen fänden jedoch keinen Wohnraum. Die Miete werde zur Armutfalle für Alleinerziehende, Geringverdienende, psychisch kranke und ältere Menschen, aber auch zunehmend für Familien.

Besonders katastrophal sei die Wohnungslosigkeit als Folge von Armut, sagte Jung anlässlich des Starts der Kampagne „Soziales ist Zukunft!“ der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg (Liga-BW) zur Landtagswahl im März. Über 1.000 Menschen lebten in Baden-Württemberg völlig ohne Unterkunft. Mehr als 2.500 weitere seien „verdeckt wohnungslos“ und lebten etwa bei Bekannten.

Weil in Baden-Württemberg rund 260.000 Sozialwohnungen fehlten, müsse mehr sozialer Wohnraum geschaffen werden, forderte Jung. Zudem seien Sofortmaßnahmen nötig, um Menschen in akuter Wohnungsnot zu schützen. Ein Ansatz dafür seien etwa „little homes“, kleine Unterkünfte, die schnell und kostengünstig bereitgestellt werden könnten, für 5.000 Euro pro Einheit. Sie verhinderten, dass Menschen auf Parkbänken oder in Ruinen leben müssten.

Die soziale Daseinsvorsorge sei das Fundament der Gesellschaft, stehe aber unter Druck, kritisierte Jung. Nötig seien verlässliche Landesmittel, statt kurzfristiger Projektförderung. „Wir brauchen eine Politik, die Soziales nicht als Kostenfaktor, sondern als Investition begreift“, sagte die Oberkirchenrätin der Evangelischen Landeskirche in Baden. Eine starke soziale Daseinsvorsorge stabilisiere Kommunen, schütze Menschen und stärke die Demokratie.

Baden-Württemberg braucht aus Sicht der Diakonie einen regelmäßigen Armutsbericht. „Wir brauchen ein landesweit einheitliches Finanzierungsmodell für die allgemeine Sozialberatung“, forderte Jung. Dies sei ein wichtiger Schlüssel in der Armutsbekämpfung. Die Beratung biete „Sicherheit und Orientierung im Dschungel von Ansprüchen, Rechten und Unterstützungsmöglichkeiten“. (0128/19.01.2026)