Deutsche Klimaforscher haben den von Donald Trump angekündigten Rückzug der USA aus der globalen Klimapolitik als dramatischen Schritt und als Einschnitt für die internationale Klimaforschung bezeichnet. Künftigen US-Regierungen werde die Rückkehr in internationale Gremien und Verträge erschwert, zudem gehe der Wissenschaft erhebliches Wissen verloren, heißt es in Stellungnahmen der Wissenschaftler für das Science Media Center in Köln.
Der US-Präsident hatte am Mittwoch den Rückzug der USA aus 66 internationalen Organisationen, Konventionen und Übereinkommen angekündigt. So wollen die USA beispielsweise den Weltklimarat (IPCC) und das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) verlassen. Letzteres schafft den rechtlichen und institutionellen Rahmen für internationale Klimapolitik und verpflichtet Staaten zu Berichterstattung über Treibhausgasemissionen und Klimaschutzmaßnahmen. Bereits unmittelbar zu Beginn seiner zweiten Amtszeit hatte Trump den abermaligen Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen angekündigt, der in Kürze in Kraft treten wird.
Neue Strategien der Europäer nötig
Wilfried Rickels vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel erklärte, die Menge des von Trump zerschlagenen Porzellans werde immer größer und erschwere einer möglicherweise nachfolgenden US-Regierung, die Wert auf Klimaschutz lege, den Weg zurück an die Verhandlungstische. „Das bedeutet für die europäische Klimapolitik, dass – wie auch in anderen Bereichen, etwa der Handels- oder Verteidigungspolitik – neue Strategien benötigt werden beziehungsweise überhaupt erstmal angefangen wird, Klimapolitik strategisch und pragmatisch einzusetzen.“ Die EU könne bei Dekarbonisierungstechnologien versuchen, die Lücke zu füllen und neue, strategische Partnerschaften, insbesondere im Globalen Süden, zu entwickeln. Gleichzeitig werde aber eine ursächliche Begrenzung des Klimawandels ohne Emissionsminderungen in den USA immer schwieriger.
Lambert Schneider, Forschungskoordinator für internationale Klimapolitik am Öko-Institut in Berlin, erklärte, die USA säßen in Zukunft bei den internationalen Klimaverhandlungen nicht mehr mit am Tisch. „Sie werden nicht nur keine internationalen Klimaziele mehr haben, sondern auch keine Informationen mehr bereitstellen, wie viele Treibhausgase sie verursachen.“ Zu befürchten sei auch, dass wichtige wissenschaftliche Daten, zum Beispiel von Satelliten, nicht mehr zur Verfügung stehen.
Großer Vertrauensverlust
Niklas Höhne vom New Climate Institute in Köln verwies auf die finanzielle und politische Unterstützung der Trump-Regierung für Kohle, Öl und Gas, sowie auf das aktive Verhindern von Klimaschutz innerhalb und außerhalb der USA. „Vertrauen wird nur langsam aufgebaut, aber in Sekunden zerstört“, erklärte er. In vielen internationalen Klimaorganisationen hätten die USA zu den größten Geldgebern gehört. „Es gilt nun für all diejenigen, die an ein werte- und regelbasiertes, kooperatives Miteinander glauben, vehement dagegenzuhalten, bevor es zu spät ist.“
