Kirchengemeinde Altkalen kauft Bild von Christian Kabuß

Der Lauscher im Baum

Wäre das Geld nicht wichtiger für die Turmsanierung? Ja. Da ist es auch wichtig. Aber es ist der Kirchengemeinde Altkalen ebenso wichtig, gerade in diesen Zeiten Künstler zu unterstützen. Deshalb hat sie ein Bild von Christian Kabuß gekauft.

Christian Kabuß in der Kirche in Altkalen vor seinem Bild, das die Gemeinde ankauft

von Marion Wulf-Nixdorf

Altkalen. Ich erwarte eine lange Nacht in der Kirche in Altkalen. Die Kirchenältesten wollen am Johannestag über den Ankauf eines Bildes von Christian Kabuß entscheiden, der seit über zehn Jahren im vermieteten Pfarrhaus wohnt. Ich vermute lange Auseinandersetzungen – schließlich handelt es sich um moderne Kunst. Die Kirchenältesten haben schon einmal mit dem Künstler vor den Bildern gesessen und geredet. Heute soll die Entscheidung fallen.

Vier großformatige Bilder bietet Kabuß an. Sie stehen alle in der Kirche. Eine gute Situation: Die Kirchenältesten können auswählen. Kabuß, geboren 1968 in Ludwigslust, hat den Auftrag von der Kirchengemeinde bekommen, für die mittelalterliche Kirche ein Bild zu malen.

Pfarrstelle unbesetzt

Etwa ein Jahr hat er sich mit der Kirche auseinandergesetzt. Altkalen ist mit Boddin verbunden. Pfarrsitz ist seit 2003 Boddin. Die Pfarrstelle ist unbesetzt, eine erste Ausschreibung ergab keine einzige Bewerbung, ist im Gemeindebrief zu lesen. Vertretungspastor ist – mit 75 Prozent – Jens-Uwe Goeritz, der aus Rostock hierher kommt und bereits von 1993 bis 2002 Gemeindepastor in Boddin war, auch Propst, und sich daher hier gut auskennt und nun mit dem Kirchengemeinderat die Entscheidung herbeiführt.

Der Künstler Christian Kabuß weiß um die Kunstoffenheit der Kirchengemeinde. Bereits vor über 20 Jahren hat die Gemeinde ein neues Kreuz von der Zürcher Künstlerin Renate Stendar-Feuerbaum bekommen, und das Altarbild von Gaston Lenthe an die Nordwand gehängt. Dadurch sind die Fenster hinter dem Altar sichtbar. An der Südwand der Kirche ist ein „Auge Gottes“ von Stendar-Feuerbaum zu sehen.

Christus mit offenen Armen

Ein drittes Werk von der Züricherin ist ein „Salvator Mundi“, ein Christus mit offenen Armen. So ist die Kirche bereits reich an morderner Kunst und mit dieser muss Kabuß nun korrespondieren.

Er entscheidet sich aber für die Auseinandersetzung mit der reichen jahrhundertealten Geschichte des Ortes, der Kirche und mit der Bibel. So nennt er ein Werk auf Pappelsperrholz, für das die Kirchenältesten sich entscheiden, „Der Lauscher im Baum“ und bezieht sich auf um 1990er-Jahre von Lothar Mannewitz freigelegte mittelalterliche Malereien, konkret die an der Südwand. Der Lauscher im Baum – ist das vielleicht Zachäus?

Auf zum Spendensammeln!

Die Kirchenältesten sind sich schnell einig, dass es dieses sein soll. Sowohl die Bildaussage als auch die Farbgebung überzeugen sie. Und bei der „Offenen Kirche“ und im Gottesdienst, so sind sie alle überzeugt, werden sie immer neue Aussagen beim „Lauscher“ entdecken. Auf die ist auch der – sehr zufriedene – Künstler gespannt.

Die Kirchengemeinde muss nun noch Spenden zur Finanzierung sammeln. Ein Drittel des Gemäldewertes von insgesamt 9000 Euro muss sie selbst aufbringen und hat bereits 1750 Euro über Spenden eingeworben. Ein weiteres Drittel kann über eine Landesförderung, die der Künstler erhalten hat, gedeckt werden. Auf die verbleibenden 3000 Euro verzichtet der Künstler aus Verbundenheit zu seiner Gemeinde.

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