Den Hexen auf der Spur

Eine Motorradrüstzeit mit einem besonderen Thema erlebten die Teilnehmer im Harz.

Jacobi sitzt auf einem Motorrad und streckt den Daumen nach oben
Jacobi sitzt auf einem Motorrad und streckt den Daumen nach oben

Einmal im Jahr bin ich für fünf Tage mit Soldaten und Soldatinnen auf dem Motorrad unterwegs. Die gemeinsame Leidenschaft für das Motorradfahren verbindet und schafft schnell eine gute Basis für Gespräche – auch über Fragen des Lebens und Glaubens.

Jeder Tag beginnt mit einem Gottesdienst. Die Helme werden auf den Boden gelegt, sodass ein Kreuz entsteht. Jede Motorradrüstzeit steht unter einem Thema. In diesem Jahr waren wir im Harz unterwegs – auf den Spuren der Hexen, denn: Hexenmythen spielen im Harz eine besondere Rolle. Im Mittelalter herrschte der Glaube, dass sich auf dem Brocken bei Nacht „Zauberweiber“ versammeln und in den dichten Wäldern des Harzes und den alten Bergbauschächten sich Zwerge und Hexen tummeln, die dort ihr Unwesen treiben.

Mit dem Teufel getanzt

Auf dem Blocksberg, dem Hexentanzplatz auf dem Brocken, sollen in der Walpurgisnacht, der Nacht zum 1. Mai, die Hexen mit dem Teufel getanzt haben. Goethe hat diese Legende populär gemacht, als er im „Faust“ seine berühmte Walpurgisnachtszene schrieb und sie damit in der Weltliteratur verewigte. Hexen wurden im Mittelalter verfolgt. Ausgangspunkt für Hexenprozesse waren zumeist Denunzierungen. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Kirche. Im Jahre 1484 befahl Papst Innozenz VIII. ausdrücklich das Aufspüren von Hexen als „Pflicht der christlichen Kirchen“ und förderte mit diesem Befehl die Inquisition und die Hexenprozesse. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurden in Europa mehr als 70 000 Menschen der Hexerei beschuldigt und verbrannt – 75 Prozent der Opfer waren weise Frauen.

Wir haben auf unseren Motorradtouren durch den Harz besondere Orte von Hexensagen besucht, etwa den Hexentanzplatz bei Thale und den Brocken. Wir haben Mythen kennen gelernt, von Hexenprozessen gehört und in Andachten und Tagesimpulsen kritisch hinterfragt, inwieweit Menschen auch in unseren Tagen denunziert werden, allein, weil sie anderer Meinung sind, anders aussehen, oder eine andere Kultur, oder einen anderen Glauben haben.

Motorradrüstzeiten sind immer wieder besondere Auszeiten und Gelegenheiten, Gemeinschaft zu erfahren, jedoch auch, spirituelle Erfahrungen zu machen und inhaltliche Impulse mit in den Alltag zu nehmen.

Unser Autor
Bernhard Jacobi ist Militärpfarrer im Militärpfarramt Schortens.