Kirchengemeinde St. Georg-Borgfelde kämpft um Jugendeinrichtung "Schorsch"

Das Zusammenspiel ist bedroht

Drei Standorte, ein Problem: Der Kinder- und Jugendeinrichtung „Schorsch“ droht der Verlust einer Stelle. Die Folgen wären verheerend.

Eine Oase für junge Familien in der Großstadt ist das Spielhaus im Kirchhof

von Johanna Tyrell

Hamburg. Ein Treffpunkt für Jugendliche? Ein geschützter Ort für Eltern mit Kleinkindern? Oder eine interkulturelle Begegnungsstätte? Welcher dieser drei Kinder- und Jugendtreffpunkte sollte am ehesten aufgegeben werden? Vor dieser Frage steht das Team des IFZ „Schorsch“, des interkulturellen Stadtteilzentrums und der Kirchengemeinde St. Georg-Borgfelde.

„Wir reißen immer eine Lücke, egal was künftig wegfällt“, sagt Petra Thiel, Geschäftsführerin des „Schorsch“. Doch eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Denn seit im April vergangenen Jahres eine pädagogische Mitarbeiterin in den Ruhestand ging, ist ihre Stelle nicht wieder besetzt worden. Nicht, weil keine Arbeit da wäre. Im Gegenteil.

Worunter Kinder leiden

Die Corona-Pandemie hat psycho­soziale Folgen bei den Kindern und Jugendlichen und ihren Familien hinterlassen. Einschränkungen in der Schule, vermehrte Aggressionen­. Zuhören, das Aushandeln bei unterschiedlichen Positionen – all das sei in den vergangenen Monaten der Pandemie und Isolation zu kurz gekommen. „Das merken wir sehr“, sagt Thiel. Unter den Kindern und Jugendlichen komme es häufiger zu Streit. Viel mehr Eltern hätten Beratung gesucht. „In der aktuellen Situation müssten wir eher unser Angebot erhöhen“, sagt auch Pastorin Elisabeth Kühn aus der Kirchengemeinde St. Georg-Borgfelde.

Spezieller Stadtteil

Doch die Realität sieht anders aus. Bis Ende Januar müssen sich „Schorsch“-Team und Kirchengemeinde entscheiden, welcher der drei Standorte aufgegeben werden soll. Als absehbar wurde, dass eine der Mitarbeiterinnen in den Ruhestand gehen würde, habe man einen Antrag auf Verlängerung der Stelle gestellt, erzählt Pastorin Kühn. Der Jugendhilfeausschuss des Bezirks Hamburg-Mitte lehnte ihn ab. Die Begründung: In anderen Stadtteilen sei die Situation weit angespannter, teilte der Ausschuss auf Anfrage mit.

Kühn kritisiert das. „St. Georg ist ein spezieller Stadtteil. Durch unsere Lage direkt am Hauptbahnhof und durch die interkulturelle Arbeit, die wir hier machen, haben wir ein riesiges Einzugsgebiet.“ Die Besucher des „Schorsch“ kämen teilweise aus ganz Hamburg und darüber hinaus.

Entscheidung fällt bald

„Es ist das Zusammenspiel dieser drei Standorte, das einmalig ist. Wir können die Kinder quasi von Beginn an durch ihre ganze Jugend begleiten“, so Kühn. Denn während im Spielhaus Lohmühlenpark durch den nahen Sportplatz auch Jugend­liche auf ihre Kosten kommen, bietet das Spielhaus Kirchhof durch seine geschützte Lage besonders Eltern und Kleinkindern Raum. Im „Schorsch“ selbst steht die interkulturelle und generationenübergreifende Begegnung von Kindern und Jugendlichen im Vordergrund.

Ein gut funktionierendes Zusammenspiel. Was also aufgeben? Denn dass einer der Standorte aufgegeben werden muss, ist durch die nun entstandene dünne Personaldecke klar. Bis Ende Januar muss die Entscheidung fallen. „Noch haben wir nicht entschieden, aber bei uns drängt es jetzt“, sagt Kühn.

Aktuell läuft das Widerspruchsverfahren. Die Gemeinde überbrückt seit Monaten durch Personalverschiebungen und Eingrenzungen anderer Arbeitsbereiche die fehlende Stelle. Auf Dauer geht das nicht.

„Unglückliches Zitat“

Ganz anders stellt es das damalige Protokoll der Ausschusssitzung dar. Die Gemeinde habe demzufolge darin beteuert, dass das „Schorsch“ personell gut ausgestattet sei und die Entscheidung der Verwaltung unterstütze. „Das ist damals sehr unglücklich transportiert worden“, widerspricht Kühn. Auf Nachfrage habe man ihr versichert, dass der Widerspruch eingegangen sei und nun zeitnah entschieden werde.

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