Norddeutsches Krippenmuseum in Güstrow

Das Haus der 100 Krippen

Im Norddeutschen Krippenmuseum von Güstrow ist jetzt Hochsaison. Auch wenn man schon einmal dort gewesen ist, lohnt sich ein Besuch. Denn die Ausstellung wird jedes Jahr erneuert.

Zu der Krippe aus Korea gehört auch eine Flasche mit stärkendem Reiswein für Maria

von Marion Wulf-Nixdorf

Güstrow. „Diese Szopka wird das erste Mal gezeigt“, erzählt Heidi Wellmann. Sie muss es wissen, schließlich ist sie von Anfang an dabei. Die Tradition der Szopka kommt aus dem polnischen Krakau und es gibt sie seit dem 19. Jahrhundert. Krakauer Handwerker bauten sie aus Holz als Saisondekoration, um während der Weihnachtszeit ein zusätzliches Einkommen zu erzielen.
Nach dem Vorbild polnischer Weihnachtskrippen entstanden verkleinerte tragbare Ausführungen, mit buntem Staniol-Papier beklebt, die von Dorfjungen von Haus zu Haus getragen wurden. Die Krippe ist dabei in ein meist prächtiges Krakauer Gebäude hinein gebastelt – erkennbar an den Türmen der gotischen Marienkirche, manchmal auch anderer Krakauer Kirchen oder dem Schlosshügel Wawel. Die polnische Fahne und der polnische Adler gehören auch dazu. Die Krippenfiguren waren oft sogar beweglich, sodass die Weihnachtsgeschichte nachgespielt werden konnte – wie in einem Puppentheater.
Die Tragekrippen wurden im Laufe der Jahrzehnte immer aufwändiger gestaltet, seit 1927 wurden sogar Wettbewerbe veranstaltet, in denen die Krippenbauer in Krakau um die prächtigste Krippe wetteiferten, erzählt Heidi Wellmann (72), die in ihrem Berufsleben als Gemeindepädagogin tätig war.

Hammer und Sichel auf der Mitra

Seit 1937 werden jedes Jahr am ersten Donnerstag im Dezember die neuen Szopkas auf den Stufen des Mickiewisz-Denkmals am Krakauer Marktplatz zur Schau gestellt – ein Höhepunkt im Leben der Stadt Krakau.
Heidi Wellmann kann zu vielen der Krippen Geschichten erzählen, auf Details aufmerksam machen, die man von allein vielleicht gar nicht entdeckt. Wie zum Beispiel auf Hammer und Sichel auf der Bischofsmütze einer Papierkrippe aus der sozialistischen Sowjetunion.
Auch in dieser zehnten Ausstellung sind wieder rund 100 Krippen in der Heilig-Geist-Kirche, dem „Mutterhaus“ der Krippen, zu sehen. Beim Arbeiten im Depot, in dem sich rund 650 Krippen befinden – rund 100 davon können aus Platzgründen im zweistöckigen Ausstellungsbereich gezeigt werden – sei sie auf das diesjährige Thema gekommen, erzählt Heidi Wellmann.

Umbau immer im November

Für den Umbau ist das Krippen-Museum jeweils eine Woche im November geschlossen. Es werde mit dem jeweiligen Thema stets versucht, gesellschaftlich relevante Probleme aufzunehmen, so Heidi Wellmann. 2014 zum Beispiel ging es um Flucht und Vertreibung, 2015 um Fremdenhass. In diesem Jahr werden verschiedene Traditionen der Christkindverehrung deutlich gemacht. Das Christkind sei besonders in Süd- und Westdeutschland, Österreich, Südtirol, Schweiz, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Tschechien sowie in Südbrasilien weit verbreitete Symbolfigur des Weihnachtsfestes, und hier habe sich eine reiche und vielfältige Krippenkunst entwickelt, so Heidi Wellmann. Die Protestanten hatten eher Weihnachtstransparente aus Pappe und lichtdurchlässigem Papier.
Auch heidnische Traditionen haben Eingang in die Weihnachtszeit gefunden, so zum Beispiel der Schimmelreiterzug, auch „Hell Kriste“ genannt. Das ist ein alter Brauch, der ursprünglich wohl in ganz Norddeutschland verbreitet, vor dem Zweiten Weltkrieg aber nur noch in Ostpreußen lebendig war. In der Ausstellung ist ein Schimmelreiterzug zu sehen, dessen Figuren von Kindern mit Behinderung angefertigt worden sind.

Das ganze Jahr geöffnet

20 Ehrenamtliche sorgen ganzjährig dafür, dass die Öffnungszeiten im Krippenmuseum (bis zum 15. Januar und von Juni bis September täglich 11 bis 17 Uhr; 16. Januar bis 31. Mai und Oktober bis November Dienstag bis Sonntag 11 bis 16 Uhr) abgedeckt sind.
In diesem Jahr hat das Krippenmuseum eine zweite Ausstellung: In der katholischen Kirche in Kühlungsborn und im Haus des Gastes werden 60 Krippen aus Güstrow gezeigt.

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