Danken? Ja, danken!

Angemerkt

Wäre das Wort „Danke“ das einzige Gebet, das du je sprichst, so würde es genügen.“ Dieses Zitat, das mir immer wieder einmal begegnet, stammt von dem Mystiker Meister Eckart aus dem 13. Jahrhundert. Es wäre so eine schöne Anleitung zur Dankbarkeit, wenn das Leben dieser Idee nicht immer wieder einen Strich durch die Rechnung machte. Es ist einfach schwer, vermutlich komplett unrealistisch, immer dankbar zu sein.

Dabei gäbe es viele Gründe dafür. In unserem Land herrscht Frieden, es gibt genug zu essen, das Klima ist gemäßigt. Viele Menschen haben Arbeit und profitieren von den Errungenschaften moderner Technik. Briten, die vom Brexit frustriert sind, und US-Amerikaner, die an Präsident Trump verzweifeln, hätten gern einen deutschen Pass. Kriegsopfer aus Afghanistan oder Syrien sowieso. Der Kabarettist Hagen Rether hat es einmal auf den Punkt gebracht: Wir leben im Paradies, aber auf die Frage „Wie geht’s?“ antworten wir „Muss ja“.

Das erinnert mich an den Film „Das Leben des Brian“. Da heilt Jesus einen Leprakranken, und der beschwert sich nun, dass ihm damit die Grundlage zum Betteln entzogen wurde. So bittet er die Passanten verzweifelt um eine „Spende für einen Ex-Leprakranken“. Die Umstehenden schütteln nur den Kopf. „Manchen kann man es wohl nie recht machen“, so die Kommentare.

Auch ich kenne das: Ganz viel im Leben läuft gut, und trotzdem fallen mir genügend Dinge ein, die mich stören, ärgern oder belasten. Ich bin selten nur dankbar. Aber ich glaube und hoffe, dass Gott mir das nachsieht. Und dass er sich freut, wenn es mir doch gelingt, ihm zu danken. Und meistens freue ich mich dann auch.

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