Der evangelische Sozialethiker Peter Dabrock hält den Rücktritt der Theologin Annette Kurschus von ihren kirchlichen Spitzenämtern für einen Fehler und gibt Medien eine Mitschuld daran. Die Gemengelage sei „diffus“, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in dem mutmaßlichen Fall sexueller Übergriffigkeit noch nicht abgeschlossen gewesen, sagte Dabrock in einem Interview mit dem Spiegel. Dennoch sei schnell die Rede von einem „Vertuschungsverdacht“ gewesen. „Die Medien haben Druck aufgebaut - und viele in der Kirche haben sich davon treiben lassen. Das war ein Fehler“, sagte Dabrock.
„Es wäre besser gewesen, ein oder zwei Wochen zu warten und die Vorwürfe in Ruhe zu besprechen, als hektisch und unter dem Stress der mit etlichen Themen überfrachteten Synode zu agieren“, ergänzte der Theologieprofessor und frühere Vorsitzende des Deutschen Ethikrats. Kurschus war am Montag von ihren Ämtern als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und als Präses der westfälischen Landeskirche zurückgetreten.
