Pop und Politik, Fachfragen und Plauderei: Kaum ein Thema, zu dem sich nicht Podcasts in verschiedener Tonlage und Tiefe finden. Eine Psychologin sieht verschiedene Gründe für den Boom dieses Formats.
Podcasts bieten nach Worten einer Psychologin eine leichte Form des Konsums. “Es ist viel weniger achtsam, als sich hinzusetzen und ein Buch zu lesen”, sagte Miriam Junge in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Ab Donnerstag sind sechs Folgen ihres neuen Podcasts abrufbar, den sie zusammen mit der Autorin Anika Decker aufgenommen hat. In “Bin ich jetzt das Problem?!” sprechen beide über Lebensfragen, Verhaltensmuster und Zwischenmenschliches aller Art.
In Podcast-Formaten fühle man mehr Nähe als beim Lesen, fügte die Verhaltenstherapeutin hinzu. “Aber auch die Selbstbestimmtheit, sich das zu Gemüte zu führen, wann man will, ist ein großer Faktor. Wir leben in einer Welt, die wahnsinnig schnell ist. Man kann es beim Autofahren hören, beim Kochen oder beim Einschlafen.”
Decker erklärte, sie selbst höre Podcasts auf dem Weg zur U-Bahn “oder in Momenten wie solchen, wenn ich für 30 einzelne Socken den jeweiligen Partner finden muss. Wenn ich dabei einen Podcast höre, habe ich das Gefühl, ich verbringe diese stupide Tätigkeit mit etwas Schönem. Aber ich habe mir auch schon meinen Lieblingspodcast angemacht, wenn ich an einem regnerischen Tag in den Supermarkt musste und vielleicht gerade ein bisschen Angst hatte vor der Zukunft – das hatte dann einen beruhigenden Effekt.”
Ihr Angebot solle sich anfühlen, “als würde man einen schönen Drink oder Kaffee trinken mit richtig guten Freundinnen”, sagte Decker. Die 50-Jährige war vor knapp 20 Jahren mit den Büchern zu den Til-Schweiger-Filmen “Keinohrhasen” und “Zweiohrküken” schlagartig bekannt geworden. Das sei “im weitesten Sinne vielleicht auch sowas wie Seelsorge: eine Möglichkeit, mal in ein Thema reinzuhören und Lust zu kriegen, das in Angriff zu nehmen, wenn man gerade feststeckt.”