Brückenschwestern helfen schwer krebskranken Patienten

Modell der Palliativversorgung unterstützt auch Angehörige

Was tun bei Nebenwirkungen der Chemotherapie, wie die Schmerzen aushalten? Als Bindeglied zwischen Klinik, Hausärzten, Pflege- und Hospizdiensten leisten Brückenschwestern in Karlsruhe seit 30 Jahren wertvolle Unterstützung für schwerkranke Tumorpatienten und deren Angehörige. Das Team, eine Einrichtung des Onkologischen Schwerpunktes Karlsruhe, wurde am 1. Juli 1995 gegründet.

Das achtköpfige Team der Brückenschwestern der ViDia Christliche Kliniken arbeitet in Kooperation mit dem Städtischen Klinikum Karlsruhe. Ihr zentrales Ziel: den Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Umgebung so zu gestalten, dass Patienten ihre verbleibende Lebenszeit in vertrauter Umgebung verbringen können. Seit der Gründung haben die Brückenschwestern rund 15.000 schwerkranke Patientinnen und Patienten im Raum Karlsruhe begleitet.

„Neben den Patienten selbst ist die Unterstützung der Angehörigen ein ganz wesentlicher Teil unserer Arbeit. Wir stehen ihnen zur Seite und versuchen, die Angst zu nehmen, wenn diese sich von der Situation überfordert fühlen“, sagt die Mitgründerin der Brückenschwestern, Heike Spindler, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Arbeit der Brückenschwestern ist geprägt von intensiven Kontakten, großem Einfühlungsvermögen und professioneller Distanz. „Mit unserer Arbeit ermöglichen wir den Patienten den Erhalt ihrer Selbstbestimmung und den Verbleib in der häuslichen Umgebung“, erläutert die examinierte Pflegekraft mit der Zusatzqualifikation „Palliative Care“. „Wir erklären Zusammenhänge und bereiten sie rechtzeitig auf zu erwartende Entwicklungen vor.“

Seit 24 Jahren arbeitet Sylvia Simon als Brückenschwester, die ebenfalls eine Zusatzqualifikation in „Palliative Care“ hat. Ihren Alltag beschreibt sie als emotional fordernd, aber erfüllend: „Der Tag ist selten planbar. Wir beraten zur Linderung von Nebenwirkungen, helfen zur Selbsthilfe und verhindern so den Drehtüreffekt, dass Patienten nach der Entlassung gleich wieder ins Krankenhaus müssen.“

Aktuell betreuen die Karlsruher Brückenschwestern jährlich etwa 600 Patientinnen und Patienten. Die Brückenschwestern seien ein „zentraler Bestandteil der ambulanten Palliativversorgung“, sagte Martin Binnenhei, Geschäftsführer des Onkologischen Schwerpunktes Karlsruhe. Der Einsatz der Brückenschwestern ist für Patienten und Angehörige kostenfrei.

Die Betreuung reicht von der Symptomkontrolle über die Organisation von Hilfsmitteln bis zur Beratung bei Schmerztherapien und Finanzierungsfragen. Der erste Ansprechpartner ist oft die Station des Krankenhauses oder der behandelnde Arzt. Auch Patienten, die nicht stationär behandelt wurden, können über ihren Hausarzt eine Zuweisung erhalten.

Neben der häuslichen Pflege nehmen inzwischen auch Einsätze in Pflegeeinrichtungen zu, wo das Team im Rahmen spezialisierter ambulanter Palliativversorgung Patienten in ihrer vertrauten Umgebung unterstützt. Diese Leistungen werden über die Krankenkasse abgerechnet.

Die Idee entstand aus der Hospizbewegung in England. Die ersten Stellen für Brückenschwestern wurden durch das Sozialministerium und den Krebsverband Baden-Württemberg finanziert. In Baden-Württemberg ist das Teil der Regelversorgung. Rund 20 Teams gibt es an onkologischen Schwerpunkt-Krankenhäusern, etwa in Stuttgart, Ulm, Heilbronn und Tübingen. Ähnliche Angebote existieren bundesweit, häufig unter den Bezeichnungen „Brückenpflege“, „Pflegeüberleitung“ oder „Case Management“.

Trotz des Erfolgs steht die Finanzierung der Brückenschwestern immer wieder infrage, neue Stellen werden nicht geschaffen. Dennoch bleibt ihr Engagement ungebrochen. „Natürlich leidet man mit, muss aber trotzdem professionell bleiben“, sagt Simon. Auch nach vielen Jahren erlebt das Team täglich Momente des Abschieds - und des Lebens. „Die Lebenszeit dazwischen ist, was zählt.“ (2872/11.11.2025)

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