Der Bischof von Speyer, Karl-Heinz Wiesemann, hat dazu aufgerufen, „Schweigespiralen“ bei der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche zu durchbrechen. „Mit unseren Maßnahmen sind wir noch lange nicht am Ziel“, sagte der Bischof nach Angaben des Bistums Speyer vom Mittwoch. „Und werden wir auch nie an ein Ziel kommen, weil es hier keinen Schlussstrich geben darf.“ Die Aufsicht müsse noch wirksamer gestaltet werden, um Missbrauch zu verhindern, sagte Wiesemann. Der Bischof äußerte sich beim jährlichen Gedenktag für Betroffene sexualisierter Gewalt, der am Dienstag in Kaiserslautern auf dem Martinsplatz stattfand.
Die im Mai 2025 veröffentlichte Aufarbeitungsstudie der Unabhängigen Kommission zu sexuellem Missbrauch durch Mitarbeitende im Bistum Speyer habe in erschütternder Weise das Ausmaß des Leids und das Versagen kirchlicher Verantwortungsträger gezeigt, sagte der Bischof. Zugleich zeige sie, welche Schritte in den vergangenen Jahren unternommen worden seien: vom Paradigmenwechsel hin zum Schutz der Betroffenen, Präventionskonzepten und strukturellen Reformen.
Der Betroffenenbeitrat im Bistum Speyer appellierte an die Verantwortlichen in Kirche und Gesellschaft, Kinder besser zu schützen und ihnen sichere Räume zu geben. „Bis zu acht Versuche unternimmt ein Kind, um gehört zu werden, dann verstummt es meist - und auch wir scheiterten, weil uns nicht geglaubt wurde“, sagte ein Mitglied des Beirats. Veranstalter des Gedenktags waren der Betroffenenbeirat und Netzwerk Prävention im Bistum Speyer