Rund um den internationalen Aktionstag "Red Wednesday" macht das Hilfswerk "Kirche in Not" auf das Schicksal diskriminierter Christen aufmerksam. Bei einem Gebetsabend in Düsseldorf stand ein Land besonders im Fokus.
Einen Genozid gegen die christliche Bevölkerung in Nigeria hat der katholische Bischof von Makurdi, Wilfred Anagbe, beklagt. Entsprechende Berichte seien nicht übertrieben, sondern traurige Realität, sagte er bei einem Gebetsabend für verfolgte Christen am Donnerstagabend in Düsseldorf. "Kirchen werden niedergebrannt, Dörfer geplündert, Familien auseinandergerissen", so der Geistliche aus dem nigerianischen Bundesstaat Benue.
Die Mitglieder seiner Diözese seien selbst Ziel von Angriffen, betonte der Bischof. "Allein in diesem Jahr sind zahllose Menschen wie Tiere abgeschlachtet worden. Und das nur wegen ihres Glaubens." Anagbe machte skrupellose Islamisten für die Taten verantwortlich, die das ganze Land kontrollieren wollten.
Er rief die Weltkirche ebenso wie die internationale Gemeinschaft auf, nicht tatenlos zuzusehen: "Wir müssen aufwachen." Die Täter müssten zur Verantwortung gezogen werden. Wer über die Christenverfolgung in Afrika und anderswo schweige, mache sich zum Komplizen. Positiv sei indes hervorzuheben, dass US-Präsident Donald Trump Nigeria kürzlich auf eine Beobachtungsliste für Länder mit eingeschränkter Religionsfreiheit gesetzt habe. Dieser Schritt habe für Aufsehen gesorgt und erhöhe den Druck auf die nigerianische Regierung, endlich etwas zu unternehmen. Bisher sei sie nicht willens dazu gewesen, kritisierte der Bischof.
Der Gebetsabend war Teil des internationalen Aktionstags "Red Wednesday". Jedes Jahr im November macht das katholische Hilfswerk "Kirche in Not" auf das Schicksal von Christen weltweit aufmerksam, die wegen ihres Glaubens Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt sind. Rund um den "Red Wednesday" werden dabei alljährlich Kirchen und andere prominente Gebäude rot angestrahlt.
An der Veranstaltung in Düsseldorf-Kaiserswerth nahm am Donnerstagabend auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki teil. Er reagierte betroffen auf die Schilderungen aus Nigeria. "Uns im - Gott sei Dank - relativ sicheren Europa ist das oft gar nicht ausreichend bewusst", so der Kardinal. Christen seien die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft der Welt, in Nigeria und vielen anderen Ländern würden sie in unvorstellbarem Maße terrorisiert.
"Aber auch ohne staatliche oder staatlich geduldete Verfolgung steigt auch bei uns in Deutschland der Hass gegen Christen", gab Woelki zu bedenken. Sachbeschädigungen und Vandalismus in Kirchen gehörten beinahe schon zur Tagesordnung. Auf manchen deutschen Schulhöfen hätten christliche Schülerinnen und Schüler Angst, den Glauben frei zu bekennen - weil sie Opfer von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt werden könnten.
"Schweigen hilft nur den Tätern", sagte Woelki. Stattdessen gelte es, sich für die Betroffenen weltweit einzusetzen. Beten allein genüge nicht. "Wir können und müssen Einfluss nehmen - Einfluss auf Politik und Wirtschaft", so der Appell des Kardinals.