Die evangelisch-lutherische Bischöfin von Minneapolis, Jen Nagel, spricht von „schrecklichen Grausamkeiten“ der US-Einwanderungsbehörde ICE in der Stadt. „Es fühlt sich an wie in einem Kriegsgebiet, so, als wäre die Regierung im Krieg mit ihren Bürgern“, sagte die Theologin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Überall würden Menschen „überprüft, bedrängt, befragt, festgehalten und zum Teil abgeschoben“, berichtete Nagel.
Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde gehen im Großraum Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota hart gegen Migranten und Flüchtlinge vor. Nach den tödlichen Schüssen auf zwei US-Bürger, nach zahlreichen Verhaftungen und Deportationen lebten viele Menschen in Angst und versteckten sich, sagte die Bischöfin.
Minneapolis: Bischöfin sieht Parallelen zu dunkler Geschichte
Nagel ist Leitende Geistliche der Minneapolis Area Synode der evangelisch-lutherischen Kirche in Amerika. Nicht nur in Minneapolis, sondern im ganzen Bundesstaat sei die Präsenz von ICE spürbar, sagte sie. Sie erkenne Ähnlichkeiten zum Vorgehen der Nationalsozialisten im Dritten Reich. „Wir dürfen davor nicht die Augen verschließen. Wir dürfen nicht zulassen, dass das wieder passiert, wir müssen uns wehren“, unterstrich die Bischöfin.
Die Menschen seien nicht einverstanden mit dem, was in Minneapolis und Minnesota passiere, sagte die Bischöfin. „Immer mehr stehen dagegen auf, auch Pastoren.“ Das gefalle nicht allen. „Es kommt immer wieder der Vorwurf, dass wir damit zu politisch sind. Für viele gehören Kirche und Politik nicht zusammen. Aber am Ende kann man doch sagen: Jesus war schon ziemlich politisch.“
Minneapolis erlebt Spannungsfeld von Leid und Mitgefühl
Auch wenn ICE in ganz Minnesota unterwegs sei, sei die Lage in Minneapolis besonders schwierig. „Es ist eine seltsame Situation: Auf der einen Seite sehen wir diese schrecklichen Grausamkeiten und auf der anderen Seite erleben wir diese wundervolle und beeindruckende Hilfsbereitschaft“, berichtete Nagel. Sie sei bewegt vom Engagement von Gemeinden und von Privatpersonen. Menschen stünden einander bei.
Die Synode helfe, wo sie könne, verbinde Menschen und bilde Netzwerke. Dabei arbeite sie eng mit Hilfsorganisationen, Vereinen und anderen Kirchen zusammen. Die Hilfe finde ökumenisch statt. „Wäre die Situation nicht so schrecklich, müsste man sich darüber freuen, wie viele Verbindungen entstehen und wie die Menschen enger zusammenrücken“, sagte die Bischöfin.
