Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, hat zur Verteidigung der Demokratie aufgerufen. Angesichts von Angriffen auf Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und Minderheitenschutz dürfe Schweigen keine Option sein, sagte sie laut Manuskript am Mittwochabend beim 7. Heinrich-Albertz-Symposion in der Bremer St. Stephani-Kirche. „Wenn aus christlicher Sicht das große Ganze auf dem Spiel steht, wenn der gesellschaftliche Frieden und die Menschenwürde bedroht sind, dann haben wir die Pflicht, dagegen aufzustehen.“
Die Demokratie stehe national wie international unter erheblichem Druck, sagte Fehrs. Rechtspopulismus, Nationalismus und autoritäre Versuchungen nähmen zu, demokratische Regeln würden relativiert, Minderheiten abgewertet. Die Vielzahl globaler Krisen führe zudem zu gesellschaftlicher Erschöpfung, Angst und Polarisierung. Besonders soziale Medien trügen zur Verwischung von Fakten und Meinungen bei.
Fehrs warb für mehr Dialog und Verständigung. Demokratie lebe vom Gespräch, auch von kontroversen Auseinandersetzungen. Kirchen und Vereine sollten dafür Begegnungsräume und Zeiten schaffen: „Denn nicht die Auseinandersetzung, zuforderst der Rückzug, befördert die Spaltung.“
Christliche Hoffnung mache Mut, Verantwortung zu übernehmen und dem Zerstörerischen standzuhalten, unterstrich die Hamburger Bischöfin. „Aus dieser Hoffnungskraft heraus sind wir gefordert, alles uns Mögliche zu tun, damit die Saat der Angst und des Hasses, die rechtsextreme, islamistische, terroristische, antisemitische, rassistische Saat all der Menschen- und Demokratiefeinde nicht aufgehen wird.“ Am Ende zitierte sie den Pastor und Namensgeber des Symposiums, Heinrich Albertz: „Wir dürfen nicht schweigen.“
Das Symposium wird gemeinsam vom Landesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO), der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Bremischen Evangelischen Kirche ausgetragen. Es erinnert an das Wirken des Pastors, Politikers und AWO-Bundesvorsitzenden Heinrich Albertz (1915-1993) und dessen Engagement für den Frieden und den Sozialstaat.