Bischöfin Fehrs: Verteidigungsfähig und nicht kriegstüchtig werden

Mit seiner Forderung, dass Deutschland kriegstüchtig werden müsse, hat Verteidigungsminister Pistorius für Aufsehen gesorgt. Die evangelische Kirche wünscht sich jedoch andere Akzente.

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Kirsten Fehrs hat sich gegen Forderungen gewandt, Deutschland solle angesichts der politischen Weltlage "kriegstüchtig" werden. "Nicht kriegstüchtig, sondern verteidigungsfähig und friedenstüchtig - darum geht's, um Krieg zu verhindern", sagte die Bischöfin am Sonntag vor der in Dresden tagenden EKD-Synode. "An dem unbedingten Gebot zur Gewaltlosigkeit Jesu rüttelt das nicht." Im vergangenen Jahr hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gefordert: "Wir müssen bis 2029 kriegstüchtig sein." Diese Aussage sorgte bis heute für Diskussionen.

Am Montag will sich die EKD mit einer neuen Friedensdenkschrift in die friedensethische Debatte einbringen. Der Text des Rates ersetzt ein älteres Grundlagenpapier, das 2007 veröffentlicht worden war. Man suche den Frieden "als horchende, hörende Kirche", die differenziert das Wort ergreife. "Frieden suchen in einer sich zuspitzenden, real bedrohlichen Lage - das braucht Tatkraft, das ist Arbeit."

Vor den Synodenteilnehmern betonte Fehrs, die Kirche sei berufen, "Hoffnung zu geben und Resilienz zu stärken". Dies gelte besonders angesichts einer hybriden Kriegsführung, die Wachheit erfordere. "Angefangen von Cyberangriffen über Desinformation bis zur Unterwanderung öffentlicher Diskurse zielt hybride Kriegsführung auf alles, was plurale Gesellschaften und Demokratien im Kern ausmacht: Vertrauen, Debattenkultur und die Stärke des Rechtsstaats", so Fehrs.

Gleichzeitig halte die Kirche weiter am Leitbild des "gerechten Friedens" fest, das schon 2007 in der letzten Friedensdenkschrift der EKD geplant worden war. Es umfasse die vier Dimensionen Schutz vor Gewalt, Förderung von Freiheit, Abbau von Ungleichheiten und Umgang mit friedensfördernder Pluralität. Nach wie vor dürften diese vier Punkte im Interesse eines gerechten und nachhaltigen Friedens nicht auseinanderbrechen, mahnte Fehrs. Allerdings komme dem Schutz vor Gewalt angesichts der aktuellen Weltlage eine besondere Bedeutung zu.

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