Nur ein Nischenmodell? Die Viertagewoche scheint in Deutschland nicht recht anzukommen. Laut Bertelsmann-Stiftung bietet kaum ein Arbeitgeber das Konzept an - obwohl es für mehr Work-Life-Balance sorgen könnte.
Die Viertagewoche ist laut einer Datenerhebung auf dem Arbeitsmarkt kaum relevant. Im Jahr 2024 warben Arbeitgeber in nur 0,12 Prozent der Stellenanzeigen mit dem Konzept um neue Mitarbeitende, wie die Bertelsmann-Stiftung am Donnerstag in Gütersloh mitteilte. Das entspreche insgesamt 8.653 Jobangeboten. Der Anteil habe sich seit 2019 kaum verändert.
Die Option, nur vier Tage die Woche zu arbeiten, bieten Arbeitgeber laut Stiftung vor allem in Berufen an, in denen andere Möglichkeiten der flexiblen Arbeit eingeschränkt sind. Das gelte etwa für den Innenausbau, Kunststoff- und Holzverarbeitung und Gebäudetechnik. Auch in sogenannten Engpassberufen werde das Konzept bis zu dreimal häufiger beworben als in Berufen ohne Fachkräftemangel. Deutlich werde das etwa bei Gesundheitsberufen.
Laut Stiftung ist die Viertagewoche weit davon entfernt, ein flächendeckendes Arbeitszeitmodell zu sein - trotz Fachkräftemangel. Dabei sei sie eine Möglichkeit, den Arbeitsmarkt flexibel zu gestalten und für mehr Work-Life-Balance zu sorgen. Die Stiftung empfiehlt Tarifparteien bei Verhandlungen, mehr individuelle Wahlfreiheit beim Arbeitsumfang zu vereinbaren, ohne starre Vorgaben für alle Betriebe.
Die Daten zur Erhebung der Stiftung stammen aus dem Bertelsmann-Jobmonitor. Hierfür wurden den Angaben zufolge 34 Millionen Online-Stellenanzeigen für den Zeitraum 2019 bis 2024 ausgewertet.