Nach jeder Weihnachtsfeier zu Heiligabend, die Ulrich Neugebauer, Diakon der Berliner Stadtmission, organisiert und mitfeiert, ist er berauscht – vor Glück. Seit mittlerweile 30 Jahren organisiert er die Weihnachtsfeier der Berliner Stadtmission. Das Fest ist eine große Weihnachtsgesellschaft. Und alle sind eingeladen.
Eigentlich wollte der heute 65-Jährige gar nicht so lange in Berlin bleiben. 1992 begann für den Christen das Abenteuer bei der Berliner Stadtmission. Die Aussicht, etwas bewegen zu können, war verlockend. Dass er gestalten konnte, ohne dass ihm Steine in den Weg gelegt wurden, ließ ihn bleiben. So gelang es ihm, die Kältehilfe und die Notübernachtung mit aufzubauen.
Ulrich Neugebauer ist eine zentrale Figur der Obdachlosenhilfe in Berlin. Er koordiniert Angebote, wirbt Spenden ein und organisiert Freiwilligendienste, um Menschen in Not mit Essen, Kleidung und Beratung zu unterstützen. Der Kältebus, der im Winter nachts durch Berlin fährt, hat in über 30 Jahren unzählige Menschen geschützt. Engagierte verteilen an Menschen, die auf der Straße leben, warme Getränke und Essen, Luftmatratzen oder Schlafsäcke. Sie bringen sie auch in Notunterkünfte.
Immer nah dran
Relativ schnell entstand auch die Idee, zu Weihnachten eine Feier für Menschen zu organisieren, die auf der Straße leben. Diese Weihnachtsgesellschaft organisieren Ulrich Neugebauer und sein Team ehrenamtlich. Mittlerweile kommen zur Weihnachtsfeier auch Menschen, die nicht auf der Straße leben, sondern in der Nachbarschaft wohnen, einsam sind, aber auch Familien und Menschen mit Migrationshintergrund.
Wenn er Menschen trifft, wie kürzlich einen Nachbarn aus der Lehrter Straße, lädt er sie gerne ein. Was genau auf der Weihnachtsfeier passiert, weiß Neugebauer meist selbst nicht. Erst kürzlich kündigte sich eine Ehrenamtliche per E-Mail an, die nicht nur helfen, sondern auch singen will – da sie professionelle Sängerin ist. Solche Zufälle ereignen sich immer wieder und sind Teil des Systems. Denn Ulrich Neugebauer hat über die Jahre ein vielfältiges Hilfenetzwerk aufgebaut.
Bewegende Momente
Fragt man den Diakon nach einem besonderen Moment, erzählt er von einer Gruppe Studierender, die die Kapelle der Stadtmission sieben Minuten lang mit Licht flutete. Zunächst brannte eine Kerze, dann kamen fünfzig hinzu. Jede anwesende Person erhielt eine Kerze. Die Kapelle erstrahlte. Licht wurde sichtbar – und mit ihm die Hoffnung des Weihnachtsfestes und der Geburt Jesu Christi.
Hoffnung hat Ulrich Neugebauer mit seinem Team vielen Menschen in Berlin gegeben und sie zurück ins Leben gebracht. Er half Menschen, die auf der Straße lebten, erst Arbeit und später wieder eine Wohnung zu finden. Mit der Zeit hat er verstanden, dass dieser Prozess oft länger dauert und Geduld braucht. „Glauben und Hoffnung spiegeln“, so Neugebauer, war dabei ein wichtiger Baustein. Nachhaltige Hilfe zu vermitteln – darum ging und geht es.
Geschenke für alle
Beim Weihnachtsfest am 24. Dezember von 13.30 bis 17.30 Uhr in der Lehrter Straße gibt es zunächst Kaffee und Kuchen. Danach geht es in die Kapelle, anschließend in den Festsaal zum Weihnachtsessen. Am Ende erhalten alle ein Geschenk. Zu Weihnachten wünscht sich Ulrich Neugebauer vor allem eines: mehr zukunftsorientierte Möglichkeiten für Menschen, die auf der Straße leben, um Arbeit und eine feste Bleibe zu finden. Weihnachten bedeutet für ihn das Licht, das er mit seinem Team vielen Menschen zurück in ihr Leben gebracht hat.
Die Weihnachtsfeier zu Heiligabend ist für alle offen. Der Kältebus der Berliner Stadtmission ist noch bis zum 31. März 2026 täglich von 20 bis 2 Uhr erreichbar unter: 030 / 690 333 690.
Bitte rufen Sie die Nummer nur an, wenn die betroffene Person Hilfe annehmen möchte
