Nora Welsch, Landes-Behindertenbeauftragte in Baden-Württemberg, hat die Wortwahl von Kommunalpolitikern bei der Debatte um Sozialausgaben scharf kritisiert. Sie wirft den Verantwortlichen laut einer Mitteilung vom Mittwoch vor, Menschen mit Behinderungen als Sündenböcke für die Finanzprobleme der Kommunen darzustellen. Anlass ist eine Äußerung des Stuttgarter Oberbürgermeisters Frank Nopper (CDU), der angekündigte Kürzungen von Teilhabeleistungen als „Abschied vom Schlaraffenland“ bezeichnet hatte.
Nach Ansicht der Beauftragten fühlen sich Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen durch solche Aussagen brüskiert und abgewertet. Ihre Lebenswirklichkeit sei von einem „Schlaraffenland“ weit entfernt. Stattdessen sei ihr Alltag von fehlender Barrierefreiheit, einem ausgrenzenden Bildungssystem, Wohnungsmangel und Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt geprägt. Die Teilhabeleistungen der Eingliederungshilfe seien kein Luxus, sondern sicherten das Überleben und die gesellschaftliche Teilhabe. Menschen mit Behinderungen hätten einen rechtlichen Anspruch auf diese Unterstützung, der auch in finanziell schwierigen Zeiten gelte.
Die Beauftragte warnte davor, Menschen mit Behinderungen pauschal als zu teuer für den Sozialstaat darzustellen. Dies sei falsch und spalte die Gesellschaft. Politische Verantwortungsträger müssten die Situation behinderter Bürger ernst nehmen, anstatt sie für eine komplexe Finanzlage verantwortlich zu machen. Die Sprache der Politik habe direkten Einfluss darauf, wie sich eine Gesellschaft entwickle und wie mit Menschen mit Behinderungen im Alltag umgegangen werde. (0094/14.01.2026)