Einsichten – die christliche Kolumne

Beherzt gehandelt

Über kluges Verhalten schreibt Inken Richter-Rethwisch. Sie ist Pastorin im Haus kirchlicher Dienste Hannover.

Der Predigttext des kommenden Sonntags lautet: „Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind (…) klüger als die Kinder des Lichts.“ aus Lukas 16, 1-8

Am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres serviert uns das Lukasevangelium mit der Geschichte vom unehrlichen Verwalter eine besondere Kost. Sie stellt einen Mann in den Mittelpunkt, der sich in einem wahrhaften Schurkenstück seine Zukunft sichert. Nicht nur, dass er Gelder veruntreut. Er besitzt darüber hinaus noch die Kühnheit, den Schuldnern seines Herrn die Schulden zur Hälfte zu erlassen, um sich ihre Sympathien zu sichern und so nachhaltig für ein Leben mit Zukunft zu sorgen. Empörend bis heute, dass solches Handeln klug und vorbildlich sei. Die Botschaft: Kinder des Lichts – mit Verlaub – ihr könnt euch davon mal eine Scheibe abschneiden! Das wirkt irritierend und befremdend im Kontext der Einladung zu einem christlichen Leben in Demut, Nächstenliebe und Gerechtigkeit. Was könnte am Ende des Kirchenjahres der Vergleichspunkt sein?

In der Begrenztheit des Lebens muss man kühn und klug handeln. Man muss darüber nachdenken, wie man mit Fragen von Schuld umgeht. Es geht offensichtlich auch um Schadensbegrenzung, um einen Neuanfang, um die Frage, wie wir weiterleben können, auch wenn wir schuldig geworden sind. Dabei können selbst Macht und Geld durchaus nachhaltig eingesetzt werden.

In diesem Sinn hat auch Oskar Schindler seinerzeit klug gehandelt. Während des Zweiten Weltkriegs stellte der Industrielle letztendlich in einem Schein-Unternehmen etwa 1200 jüdische Zwangsarbeiter ein und bewahrte sie so vor dem Tod durch die Nationalsozialisten. Das Leben von Oskar Schindler war kein lupenreines. Korruption und schurkenhaftes Verhalten beherrschte er. Aber angesichts der drohenden Begrenzung des Lebens seiner jüdischen Arbeiter reagiert er beherzt. Er entwickelt eine fantasievolle Strategie für ihr Überleben. Sein Plan ging auf. Bis heute erinnert in Yad Vashem ein Johannisbrotbaum in der sogenannten „Allee der Gerechten“ daran, dass Oskar Schindler diesen bedrängten Menschen zum Überleben verhalf – zu einem neuen Leben mit Zukunft.

Unsere Autorin
Inken Richter-Rethwisch ist Pastorin im Haus kirchlicher Dienste Hannover.

Zum Predigttext des folgenden Sonntags schreiben an dieser Stelle wechselnde Autoren. Einen neuen Text veröffentlichen wir jeden Mittwoch.

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