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Autorin Funk: Spaltung der Kulturszene lange vor Hamas-Überfall 2023

Seit dem Anschlag der Hamas auf Israel im Oktober 2023 berichten viele Künstler von einer Spaltung in der deutschen Kulturszene. Die Autorin Mirna Funk hat diese schon lange vorher empfunden – und zog nach Israel.

Die Autorin Mirna Funk (44) hat auch schon vor dem Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 eine Spaltung der Kulturszene erlebt. “Wer dem Kunstbetrieb in den letzten Jahren gefolgt ist, hat gemerkt, dass es diesen Riss wegen des Nahostkonflikts und der Einstellung zu Israel und Palästina schon lange vorher gegeben hat”, sagte die Tochter eines jüdischen Vaters dem Berliner “Tagesspiegel”. Nach dem Anschlag habe sich dieser Riss nur verhärtet. Viele könnten nun “Dinge äußern, die sie vor fünf Jahren nicht sagen konnten”.

Die weiter angespannte Lage habe auch Auswirkungen auf ihre Auftritte. “Es gibt keine Lesung von mir ohne Polizeischutz, und natürlich überlegen Veranstalter schon länger, ob sie mich buchen oder nicht”, so Funk. “In der Nähe von Juden zu sein, bedeutet halt auch, sich in Gefahr zu begeben.”

Inzwischen lebe Funk größtenteils in Israel. Seit Sommer 2024 seien sie und ihre Tochter israelische Staatsbürgerinnen, im vergangenen Jahr sei Funk mit ihr nach Tel Aviv gezogen. “Ich wollte ihr keine Kindheit mehr hinter Mauern und hinter Gittern zumuten, mit Polizeischutz vor der Schule und alldem.”

Zwar sei die Gefahr in Tel Aviv, das immer wieder von der Hamas mit Raketen angegriffen wurde, größer. “Der Alltag aber ist viel normaler. Hier in Berlin kam mir der Alltag viel angespannter vor, da lag immer so eine Art Angstvibration drunter”, so Funk. “Die Juden hier leben so isoliert, die haben alle ihre nichtjüdischen Freunde verloren. Und dann hängst du mit deinen drei jüdischen Freunden in der eigenen Wohnung ab – das ist für mich kein Leben.”

In Tel Aviv seien die Terrorattacken überschaubar, und bei einem Raketenangriff wisse Funk immer, wann sie in die Schutzräume müsste. “Meine Tochter muss aber nicht jeden Tag durch Sicherheitsschleusen, vorher mit dem Autobus abgeholt und dann aufs Gelände gefahren werden, wie hier während ihrer Zeit auf der Jüdischen Grundschule.”