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Aufarbeitungskommission: Sexualisierte Gewalt hat Vertrauen zerstört

Sexualisierte Gewalt in der evangelischen Kirche hat nach Ansicht des Vorsitzenden der Aufarbeitungskommission West, Horst Bien, großes individuelles Leid verursacht und Vertrauen zerstört. „Sexualisierte Gewalt hinterlässt tiefe Spuren – bei den Betroffenen und in der gesamten Gesellschaft“, sagte Bien am Montag vor der rheinischen Landessynode in Bonn. Er stellte dem Kirchenparlament die Arbeit der Unabhängigen Regionalen Aufarbeitungskommission für den Verbund West, kurz URAK West, vor. Sie besteht aus sieben Mitgliedern und hatte ihre Arbeit bereits im vergangenen Jahr aufgenommen.

Zu den Aufgaben der Kommission gehören etwa eine quantitative Erhebung der Fälle im Bereich der rheinischen, westfälischen und lippischen Landeskirche sowie der Diakonie. Das Gremium untersucht auch strukturelle Ursachen und Rahmenbedingungen, die Missbrauch ermöglicht oder begünstigt haben. Daraus sollen die Landeskirchen und die Diakonie Schlüsse für künftiges Handeln ziehen. Die Kommission unterstützt zudem die individuelle Aufarbeitung Betroffener, evaluiert den Umgang mit Betroffenen und erhebt das Ausmaß der Fälle.

Laut Bien hat die Kommission die drei Landeskirchen und die Diakonie um Auskunft über die Anzahl der jeweils bekannten Fälle sexualisierter Gewalt seit den 1950er-Jahren gebeten. „Die Antworten der Stabsstellen liegen uns vor, sie lassen allerdings vermuten, dass eine statistische Erfassung, die valide Aussagen ermöglicht, jedenfalls in der Vergangenheit gefehlt haben dürfte“, sagte der langjährige Staatsanwalt. „Diese Thematik bleibt also weiter auf der Tagesordnung.“ In den rheinischen Kirchenkreisen laufen aktuell Aktenscreenings, um mögliche Verdachtsfälle zu finden.

Auf der Sitzung der Landessynode waren auch Betroffene zu Gast. Die Synodalen konnten sich in nicht-öffentlichen Gesprächen mit ihnen austauschen.