Bläser bei einem internationalen Workshop

Auf Posaunen-Tour durch Afrika

Bläser aus Greifswald nahmen an einem Workshop in Südafrika und Namibia teil. Im Interview verrät eine Teilnehmerin, warum sich die Reise gelohnt hat.

Eine Karawane in der Wüste Namib: Sarah Huss und die anderen deutschen Bläser

von Sybille Marx

Sarah, Du warst das erste Mal beim Workshop „Namdusa“ dabei. Haben sich die 10 000 Kilometer Anreise gelohnt?
Sarah Huss: Ja, es war unglaublich. Ich war vorher noch nie auf dem afrikanischen Kontinent, und dann haben wir gleich zwei Länder besucht, Namibia und Südafrika, das war so cool. Die Landschaft hat mich ein bisschen an Argentinien erinnert, wo mein Vater herkommt und ich geboren bin. Diese Palmen! Und dann alles so weit, so trocken, so eine karge Schönheit.
Wie gut hat beim Workshop das Zusammenspiel mit den namibischen Bläsern geklappt?
Gut, und es war total spannend, die anderen zu erleben. Im Posaunenchor der lutherischen Kirche von Rehoboth gibt es mehr Spieler als Instrumente, jeder spielt mal Trompete, mal Euphonium, was eben gerade frei ist… Und wenn die Gemeinde im Gottesdienst singt, fangen die Bläser an, dazu zu improvisieren. Einige von uns, die schon mehrmals dabei waren, können das auch schon, für mich war es noch schwer. Aber das ist ja grade das Schöne, dass man was lernen kann!

Konnten die namibischen Bläser auch was von Euch lernen?

Ich denke schon. Wir haben zum Beispiel viele neue Stücke mitgebracht, Choralvorspiele, Choralbearbeitungen, klassische und moderne Intraden… Die haben sie gelernt und sich von uns mitreißen lassen. Ich glaube, für den Chorleiter war es auch spannend, das deutsche System zu erleben: wie wir nach Noten spielen, wie unser Klangideal ist, wie wir proben. Grundsätzlich kann man bei so einer Begegnung doch immer voneinander lernen!
Der Sonntagsgottesdienst, den Ihr in Rehoboth besucht und mitgestaltet habt, ging drei Stunden und wurde hauptsächlich auf der Stammessprache Xhosa gehalten. War das nicht furchtbar langweilig für Euch?
Nein, das hatte ich auch befürchtet, aber da kam mehr rüber als bei manchem deutschen Gottesdienst, weil so viele Ehrenamtliche ihn mitgestaltet haben. Allein die Chöre! In Deutschland hat man vielleicht einen Chor, der singt, hier waren es sechs! Die waren alles andere als perfekt, aber alle haben mit Leib und Seele gesungen, mit so viel Gefühl … Und wenn jemand predigt, rufen Leute aus der Gemeinde Zustimmendes rein, das ist alles so lebendig. Von der Predigt selbst haben wir natürlich kein Wort verstanden – aber die Sprache der Musik, die versteht jeder.
Etwas anderes war schwer nachzuvollziehen: Die Bläsergruppen aus Kapstadt in Südafrika und Windhoek in Namibia haben kurzfristig ihre Teilnahme am Workshop abgesagt. Wie ging‘s Dir damit?
Ich fand es total schade, dass sie nicht gekommen sind, ich hätte sie sehr gerne kennen gelernt. Und bisher wissen wir auch nicht so recht, woran es lag. Vielleicht war die An- und Abreise für sie schwer zu organisieren? Oder es lag an der anderen Mentalität der Afrikaner? Wir Deutschen planen ja gern, die Afrikaner gehen an vieles sehr locker, sehr entspannt und spontan ran. Der Workshop war aber trotzdem supertoll. So waren wir eben eine kleinere Gruppe, 17 Bläser statt 30 oder 40, und konnten umso intensiver zusammenarbeiten.
Sind auch Freundschaften entstanden?
Vielleicht noch nicht Freundschaften, aber wir sind mit sehr vielen Menschen in Kontakt gekommen, und alle waren so offen und herzlich. Nicht nur die Bläser, auch die anderen Einheimischen. Wir waren ja während des Workshops und auf der kleinen Konzert-Reise, die wir vorher durch lutherische Gemeinden in Südafrika unternommen haben, bei Privatleuten aus den Gemeinden untergebracht. Und überall hatten wir das schöne Gefühl, willkommen zu sein!

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