Arte-Doku widmet sich Vätern und räumt mit einigen Klischees auf

Unterschätztes Forschungsfeld

Mit dem Vatersein als emotionales und körperliches Ereignis befasst sich eine Arte-Dokumentation. Sie trägt neue und überraschende Erkenntnisse der weltweiten Vaterschaftsforschung zusammen.

Die Beziehung zwischen Mutter und Kind ist einzigartig, auch weil die ebenso schützende wie prägende Bindung schon lange vor der Geburt entsteht. Sie ist die am häufigsten untersuchte menschliche Zweierbeziehung (Dyade). Weniger erforscht ist der Part des männlichen Geschlechts. Dabei ist Vaterschaft ist ein einschneidendes Ereignis im Leben eines Mannes - nicht nur emotional, sondern auch körperlich und auf psychologischer Ebene.

Mit dem Vatersein als unterschätztem Forschungsbereich befasst sich die Dokumentation "Vaterschaft, die stille Revolution im Körper". Arte zeigt sie am 6. Dezember um 22.40 Uhr. Der Film trägt neue und überraschende Erkenntnisse der weltweiten Vaterschaftsforschung zusammen.

In der Tierwelt gibt es viele Beispiele für fürsorgliche Väter. Der Film zeigt etwa den farbenfrohen wie giftigen Baumsteigerfrosch im Regenwald, deren Männchen sich aufopferungsvoll um den Nachwuchs kümmern - und als Kaulquappen bereits deren Überleben retten.

Gekonnt spannen die französischen Filmemacherinnen Alexandra Ternant und Jacqueline Farmer in ihrer ersten Zusammenarbeit für die Arte-France-Dokumentation "Vaterschaft, die stille Revolution im Körper" den Bogen vom Tier zum Menschen. Beide produzieren seit einigen Jahren Dokumentarfilme - Ternant aus den Bereichen Wissenschaft, Natur, Tierwelt und Tierverhalten. Farmer ist spezialisiert auf Evolutionsbiologie im Hinblick auf menschliches Verhalten.

Ihre neueste Doku vermittelt eine klare Botschaft der Forschung: Väter sind nicht nur "Helfer", sondern prägen ihre Kinder biologisch und emotional - wenn es die Umstände zulassen. "Unser Film soll die faszinierenden neuen Forschungsergebnisse dazu bekannt machen und die Geschichte der fürsorglichen Männer erzählen", sagt Farmer im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

"Mein Testosteronspiegel entsprach dem von stillenden Müttern", beschreibt Lee Gettler sein Selbstexperiment nach der Geburt seines ersten Sohnes. Der US-Anthropologe von der Universität Notre Dame im Bundesstaat Indiana hat herausgefunden, dass sich bei frischgebackenen Vätern der Hormonhaushalt verändert: Der Testosteronspiegel sinkt, während das Stresshormon Cortisol und das "Bindungshormon" Oxytocin ansteigen. Noch überraschender war für den Wissenschaftler: Je mehr sich ein Vater um sein Kind kümmert, desto stärker fällt dieser Effekt aus.

Nicht nur Biologie prägt die Vaterschaft: Der französische Bioakustiker Nicolas Mathevon widerlegt im Film das Klischee, dass nur Mütter das Weinen ihres Babys sicher erkennen. Entscheidend dafür ist allein, wie viel Zeit ein Elternteil mit dem Kind verbringt. Viele Jahre forschte Mathevon von der Universität Saint-Etienne an der Entschlüsselung von Lauten, mit denen Tiere mit ihrem Nachwuchs kommunizieren; als er selbst Vater wurde, begann er "das Weinen von Menschenbabys genauso zu betrachten, wie bisher die Bettel- und Hilferufe von Vögeln, Krokodilen und andern nichtmenschlichen Säugetier-Babys", sagt Mathevon vor der Kamera.

Einerseits blickt die interessante Dokumentation zurück in die Evolutionsgeschichte und zeigt, dass es enge Bindungen zwischen Vätern und Kindern schon seit Urzeiten gibt. Andererseits richtet der Film den Blick mit seltenen Bildern in die weite Welt, besucht etwa Väter auf den Philippinen, die über Jahre an einer Panelstudie zur Hirnforschung teilnehmen. Große Verantwortung bei der Erziehung von Kindern tragen Väter auch bei den Hadzabe, einer indigenen Gruppe im zentralen Norden des ostafrikanischen Staates Tansania.

Aus Argentinien kommen die positiven Schlussworte des Films. Dort ist die Kamera dabei, wenn der Anthropologe Eduardo Fernandes-Duque von der US-amerikanischen Yale-Universität als Gast in der Hauptstadt Buenos Aires am Gesprächskreis "Ein Vater ist geboren" teilnimmt. Nach einer Männerumarmung sagt Fernandes-Duque glücklich: "Wir sind mit dem nötigen Rüstzeug ausgestattet, diese wunderbare Bindung zu unseren Kindern aufzubauen."

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