Arte-Doku sensibilisiert für Alltagsgefahren durch Nano-Plastik

Langlebig, praktisch - und hochriskant

Mit jedem Atemzug wird Kunststoff aufgenommen - sogar Ungeborene kommen bereits mit Plastikpartikeln in Berührung. Eine Arte-Dokumentation mahnt, Produktion und Nutzung zu reduzieren.

Langlebig, leicht und formbar hat Plastik die Welt revolutioniert - und andere Stoffe verdrängt. Bunt praktisch hielt Plastik in den 1950er Jahren Einzug in das menschliche Dasein: vom Sitzmöbel bis zum Spielzeug. Längst ist das Material, das hauptsächlich aus fossilen Brennstoffen wie Erdöl, Erdgas und Kohle gewonnen wird, aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Doch die Arte-Dokumentation "Homo Plasticus - Das Plastik in uns" schlägt Alarm. Sie verdeutlicht am 22. November um 21.45 Uhr unterschätzte gesundheitliche Gefahren durch Mikro- und Nano-Plastik. Der Film schockiert und mahnt aus wissenschaftlicher Sicht dringend, die Produktion und Nutzung von Plastik zu reduzieren.

Schon bei der ersten Mondlandung im Juli 1969, so erinnert die Doku zu Beginn, hat der Mensch im Weltraum nicht nur Fußspuren hinterlassen, sondern auch Plastik: in Form einer Flagge aus dem Kunststoffgewebe Nylon. Heute nimmt man durch den Abrieb im Straßenverkehr mit jedem Atemzug Kunststoff auf.

Der Lungenfacharzt Carlos Baeza vom Universitätskrankenhaus der ostspanischen Stadt Elche bezeichnet die Lunge als "das innere Organ, das der Umwelt am stärksten ausgeliefert ist, wie ein offenes Fester zur Außenwelt." Längst zeigen Forschende weltweit, dass dieser unsichtbare und allgegenwärtige Feind in allen Organismen steckt. Er ist nachweisbar in Organen wie der Lunge, dem Darm, dem Herzen und in Körperflüssigkeiten wie dem Blut.

Veranschaulicht wird in "Homo Plasticus - Das Plastik in uns" der aktuelle Stand der Forschung zur Schädlichkeit von Mikroplastik - und zu möglichen Folgen für die Spezies Mensch. Der Film macht dazu Station bei Forschenden in Barcelona, Wien, Bologna, Grenoble und Catania, denn überall haben Experten bereits Mikroplastik im menschlichen Körper nachgewiesen.

Die Doku der aus Toulouse geborenen stammenden Filmemacherin Elodie Bonnes zeigt diese Forschungsarbeit auf einem noch weithin unbekannten Terrain. Die Fachleute wollen verstehen, wie Plastik in den Körper eindringt und ihn verändert. Sogar Babys kommen mit Plastikpartikeln im Körper auf die Welt, weil viele Nahrungsmittel in Plastik verpackt sind, Mineralwasser nicht mehr aus Glas-, sondern aus PET-Flaschen getrunken wird; PET ist die Abkürzung für Polyethylenterephthalat.

So untersuchte Antonio Ragusa, Leiter der Abteilung für Geburtshilfe, der Maggiore-Klinik im italienischen Bologna, sechs Plazenten im Labor. Der Gynäkologe entdeckte die ersten Plastikpartikel im Mikroskop - und freute sich nur für einen kurzen Moment, denn "es war eine wichtige Entdeckung, aber es ist schrecklich und traurig. Wir hätten das lieber nicht dort gefunden." Wie ein Sprachrohr der Forschung verdeutlicht der Film, dass die einzige Lösung in einer Reduzierung der Plastikproduktion liegt.

Nach monatelanger Recherche und einem Jahr Schreiben am Drehbuch sehen Elodie Bonnes und ihr Ko-Autor Olivier Husson die interessante Dokumentation, wie Bonnes sagt, "als eine Art Revue aller wissenschaftlichen Studien, die auf der Thematik basieren." Besonders beeindruckt habe sie "die schwierige Arbeit von Wissenschaftlern, die um Finanzierung kämpfen und sich dem Druck der Öl- und Plastiklobby stellen müssen", wie die Filmemacherin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagt.

Wenn das Publikum erkennen würden, dass Plastik und die von ihm freigesetzten Partikel eine Gefahr für alle Lebewesen darstellen, dann wäre das für Bonnes nach eigenen Worten ein Erfolg des Films. Noch wichtiger aber ist der TV-Journalistin die Botschaft: Jede und jeder kann den Plastikkontakt im Alltag minimieren. Möglich sei etwa, die Anzahl von Plastikgegenständen in der Küche, auf dem Tisch und in der Dekoration zu reduzieren, auf Plastiktextilien zu verzichten; Kleidung aus Naturfasern zu wählen sowie Plastikbehälter oder Lebensmittel in Plastikverpackungen niemals zu erhitzen.

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