Argentinien: Protest gegen Einschnitte bei öffentlichen Universitäten

In argentinischen Universitätsstädten haben am Dienstag (Ortszeit) Hunderttausende gegen massive Einsparungen im öffentlichen Hochschulwesen protestiert. Zu den Protesten aufgerufen hatten die öffentlichen Universitäten des Landes, Studierendenorganisationen, Oppositionsparteien und Gewerkschaften.

Die Dekanin der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität von Buenos Aires, Ana Arias, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Unser Jahresbudget hat sich im Vergleich zum vergangenem Jahr auf ein Drittel reduziert.“ Das Geld reiche nicht, um Kosten für Strom, Wasser und Gas zu decken. Aufgrund dessen hatte die Universität bereits vergangene Woche die Lichter in Räumen mit Fenstern ausgestellt, die meisten Fahrstühle vorübergehend stillgelegt und bis auf Weiteres die Nutzung von Klimaanlagen und Heizungen verboten. Für Arias steht der Charakter einer kostenlosen Universität mit hoher Bildungsqualität kurz vor dem Aus. „Wir werden angegriffen und stehen kurz vor Schachmatt“, sagte sie.

Der amtierende rechtslibertäre Präsident Javier Milei befürwortete schon während der Wahlkampagne die Schaffung eines privaten Bildungssystems und bezeichnete Studierende und Akademiker als „Parasiten“. Seit Beginn ihrer Amtszeit im vergangenen Dezember verweigerte die Regierung den öffentlichen Universitäten einen Inflationsausgleich und bezichtigte die Hochschulen der Verschwendung öffentlicher Gelder. Erst in der vergangenen Woche kündigte die Regierung dann eine Einmalzahlung von umgerechnet etwa 23 Millionen Euro an die 65 öffentlichen Universitäten an. Damit sei „die Diskussion beendet“, erklärte die Regierung. Aus Sicht der Universitäten deckt die Einmalzahlung allerdings nur drei Prozent der jährlichen Ausgaben.

Die argentinischen Hochschulen gehören zu besten Lateinamerikas und sind auch aufgrund des kostenlosen Zugangs bei lateinamerikanischen Studierenden sehr beliebt. Im Jahr 2022 zählten die öffentlichen Universitäten rund zwei Millionen Studierende, davon knapp 90.000 aus dem Ausland.

Argentinien durchläuft seit Jahren eine Wirtschaftskrise mit einer derzeitigen Jahresinflation von knapp 290 Prozent, der höchsten weltweit. Die aktuelle Regierung ist mit dem Versprechen angetreten, die Krise unter anderem durch massive Einsparungen im öffentlichen Sektor zu bekämpfen, um so einen ausgeglichenen Finanzhaushalt zu erreichen.

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