Der Gründer des christlichen Kinder- und Jugendhilfswerks „Die Arche“, Pastor Bernd Siggelkow (61), blickt ohne Stolz auf das 30-jährige Bestehen seiner Einrichtung. Der „Erfolg der Arche“ sei „der Misserfolg von Gesellschaft und Politik“, sagt Siggelkow im Interview mit dem in Hamburg ansässigen Portal evangelische-zeitung.de. Gefeiert werde der „Kampf gegen Kinderarmut, den ich nicht gewonnen habe“. Deutschland sei „einfach ein kinderunfreundliches Land“, Kinder hätten hierzulande „immer weniger Lobby“.
Deutschland sei die drittgrößte Wirtschaftsmacht und eines der reichsten Länder der Welt, leiste sich aber arme Kinder, kritisiert Siggelkow. In der Bekämpfung von Kinderarmut sei das Land zu langsam. Hinzu komme, dass Kinder hierzulande ein unkalkulierbares Armutsrisiko seien, was einen Geburtenrückgang und damit auch fehlende Wählerstimmen zur Folge habe. Kinderrechte seien nicht im Grundgesetz verankert.
Die gesellschaftliche Situation sei in den zurückliegenden 30 Jahren nicht besser, sondern herausfordernder geworden, sagt Siggelkow. Er gehe davon aus, dass der Kampf gegen Kinderarmut „mindestens in den nächsten 50 Jahren nicht gewonnen“ wird. Es gebe „kein Konzept und keine Politik, die Kinder in den Fokus der Gesellschaft stellt.“
Zur 30-Jahr-Feier werden am Dienstag im „Arche“-Gründungsort Berlin-Hellersdorf unter anderem Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), der evangelische Berliner Bischof Christian Stäblein, Schauspielerin Uschi Glas und TV-Moderator Jörg Pilawa erwartet, wie die „Arche“ mitteilte. Bundesweit gibt es heute den Angaben zufolge 35 „Arche“-Einrichtungen. Rund 10.000 Kinder finden hier regelmäßig kostenlose Unterstützung.