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Arbeitnehmerkammer kritisiert massive Verstöße gegen das Arbeitsrecht

Die Arbeitnehmerkammer in Bremen beklagt massive Verstöße gegen das Arbeitsrecht. „In einigen Betrieben herrscht offenbar auch im 21. Jahrhundert das Recht des Stärkeren – das ist erschreckend. Beschäftigte erleben die Arbeit zum Teil als ungeschützten Raum“, sagte die Geschäftsführerin der Kammer, Elke Heyduck, am Freitag bei der Vorstellung der Bilanz der Rechtsberatung 2025. Kein Lohn im Krankheitsfall, nicht ausbezahlte Überstunden oder Einschüchterungen vor Vertragsänderungen seien keine Ausnahmefälle.

Im vergangenen Jahr hat die Kammer laut Heyduck mehr als 87.000 Beratungen absolviert. In rund 46.300 Fällen sei es um Fragen des Arbeits- und Sozialversicherungsrechts gegangen. Die Bilanz zeige, dass einige Betriebe das fehlende rechtliche Wissen und die oft prekäre Lebenssituation ihrer Beschäftigten teils schamlos ausnutzten. Die Ratsuchenden erhielten zu wenig oder im schlimmsten Fall gar keinen Lohn.

Auch in der Leiharbeit begegneten den Rechtsberaterinnen und -beratern der Kammer immer wieder Rechtsverstöße: So erhielten Beschäftigte falsche Abrechnungen, die nicht mit den tatsächlich geleisteten Arbeitszeiten übereinstimmten. Heyduck appellierte an die Aufsichtsbehörden wie die Gewerbeaufsicht oder die Berufsgenossenschaften, genauer hinzusehen und Betriebe bei Arbeitszeit- und Arbeitsschutzverstößen zu sanktionieren.

Zugenommen habe ebenso die Zahl der Beratungen zu arbeitgeberseitigen Kündigungen und Aufhebungsverträgen – und zwar um knapp 12,7 Prozent auf 5.483 Beratungen. Beschäftigte sind Heyduck zufolge dagegen mit Jobwechseln zurückhaltender als in den Vorjahren. „In unsicheren Zeiten setzen Beschäftigte den erreichten Status seltener aufs Spiel. Die Menschen befürchteten, nach einem Arbeitsplatzverlust keinen Job mehr zu finden.“

Einen drastischen Anstieg meldete die Kammer zu Fragen bei psychischen Belastungen. Im Vergleich zum Vorjahr seien mit 1.421 Anfragen ein Viertel mehr Ratsuchende verzeichnet worden als im Vorjahr. Sie berichten von zunehmendem Stress, Burn-out und übermäßigen Belastungen. Hintergrund seien oft Arbeitsverdichtung und daraus resultierende Konflikte am Arbeitsplatz mit Kolleginnen und Kollegen oder direkten Vorgesetzten. Betroffen seien besonders Beschäftigte aus den Branchen Erziehung, Pflege, Logistik und Spedition.