Artikel teilen:

Arbeiterwohlfahrt gegen Social-Media-Verbot bis 16 Jahre

Australien hat es vorgemacht: Für unter 16-Jährige sind soziale Medien nun tabu. Auch in Deutschland wird darüber diskutiert. Die AWO stellt sich aber dagegen: Es geht an der Lebensrealität der Betroffenen vorbei.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) spricht sich gegen ein generelles Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren aus. “Ein Verbot verschiebt Verantwortung von Plattformbetreibern und Politik auf Jugendliche”, sagte AWO-Bundesvorstand Marvin Deversi am Montag. Notwendig seien stattdessen verbindliche Regeln für Anbieter, wirksamer Jugend- und Datenschutz, sowie mehr Präventionsangebote und Medienbildung in der Schule.

Die AWO verweist dabei auf eine von ihr durchgeführte Studie mit betroffenen Jugendlichen. Demnach seien sich junge Menschen der Gefahren durch Mediensucht, problematische Suchalgorithmen, sexualisierte Inhalte oder Hass und Gewalt in den sozialen Medien durchaus bewusst. Im Umgang mit Cybermobbing oder unerwünschter Kontaktaufnahme auf den Plattformen hätten sie zudem eigene Schutzmechanismen herausgebildet. Ein pauschales Verbot werde dieser reflektierten Nutzungspraxis nicht gerecht und gehe deshalb an der Realität vieler Jugendlicher vorbei, so die AWO.

Für die Studie “Wenn man uns fragen würde…” hat den Angaben zufolge das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik im Auftrag der AWO Gruppeninterviews mit 30 Jugendlichen aus unterschiedlichen sozialen Lebenslagen, durchgeführt.

Nachdem Australien am 10. Dezember als erstes Land weltweit ein Mindestalter von 16 Jahren für Social Media eingeführt hat, wird auch in Deutschland erneut stärker darüber diskutiert. Eine dazu von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) eingesetzte Expertenkommission soll bis zum Sommer Ergebnisse vorlegen. Eine Umfrage der “Bild am Sonntag” zeigte zuletzt, dass knapp zwei Drittel der Deutschen ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren unterstützen würden.