Ehepaar aus Schleswig-Holstein

An Weihnachten besuchten sie Flüchtlinge im Nordirak

Feiern mit Fladenbrot und Limonade: Ein Ärztepaar aus Rendsburg verbrachte Weihnachten mit Flüchtlingen in einem Dorf im Nordirak – und verbreitete dort spontan festliche Stimmung.

Ausgelassen tanzten Ioana und Martin Klopf (auf dem Bild tragen sie beigefarbene Westen) mit Flüchtlingen

von Nadine Heggen

Rendsburg/Dohuk. Als Ioana Klopf (47) und Martin Klopf (47) am ersten Weihnachtstag in Hamburg-Fuhlsbüttel ins Flugzeug stiegen, wussten sie nicht, was sie am Ziel ihrer Reise erwarten würde. Statt die Feiertage im Familienkreis zu verbringen, hatte sich das Ärztepaar aus Rendsburg dazu entschieden, in ein Flüchtlingslager im Nordirak zu fliegen. Dort wollten die beiden in Begleitung einer kleinen Delegation der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und des Menschenrechtszentrums Cottbus mit orientalischen Christen Weihnachten feiern.
Viele Fragen gingen ihnen auf dem Flug durch den Kopf. „Ist die Stimmung unter den Menschen in solchen Lagern an Feiertagen ausgelassen oder gedrückt? Wie viele würden überhaupt kommen und mit uns feiern? Wir konnten das nur schwer einschätzen“, erklärt Martin Klopf. Mit gemischten Gefühlen fuhren er und seine Frau deshalb am 27. Dezember von ihrem Hotel in der Millionenstadt Dohuk nach Dawdye, einem kleinen Dorf in den Bergen. 4600 Jesiden, Christen und muslimische Turkmenen suchen dort in einem Container-Lager Schutz vor der Terrororganisation Islamischer Staat (IS).
Einen Tag zuvor, am zweiten Weihnachtstag, hatten die Rendsburger geholfen, auf einem Platz Zelte aufzustellen und mit gebastelten Sternen, Girlanden und einem weihnachtlich geschmückten Baum eine festliche Atmosphäre zu schaffen. Um 11 Uhr fand ein syrisch-katholischer Gottesdienst in der voll besetzten Dorfkirche statt, den auch die Ärzte besuchten. Als sie anschließend aus der Kirche kamen, war der Platz voller Menschen. Rund 600 Christen hatten sich bei strahlendem Sonnenschein und knapp 20 Grad versammelt, um die Geburt Jesu zu feiern.

„Diese Schicksale machen sehr traurig“

Einige von ihnen kannten die Klopfs schon von einem humanitären Einsatz der IGFM im Irak, den sie im Oktober begleitet hatten. Zunächst sangen die Deutschen Weihnachtslieder, was die Iraker begeistert mit ihren Handys filmten. Dann waren die Flüchtlinge dran, ihre Weihnachtslieder zu präsentieren. „Die klingen völlig anders als unsere, fröhlich und sehr rhythmisch“, sagt Klopf. Danach nahmen die Flüchtlinge die deutschen Besucher in ihre Reihen auf, fassten sie an den Händen und begannen, zu kurdischer Volksmusik zu tanzen. Schließlich ging es ins Zelt zum Weihnachtsessen: Jeder bekam ein Paket mit einem Viertel Hähnchen, Fladenbrot und je einer Flasche Wasser und Limonade.
Die Klopfs fanden das bescheidene Mahl in Ordnung. Viel wichtiger waren ihnen die Begegnungen vor Ort, die Menschen, die sich über ihren Besuch und die 1000 Weihnachtspakete der IGFM mit warmer Kleidung und Christstollen freuten. Zu Herzen ging dem Paar eine Begegnung mit einem älteren Herrn, der von klein auf in Dawdye wohnt. „Sein Haus wurde vier Mal niedergebombt. Und vier Mal hat er es wieder aufgebaut“, sagt Klopf. Für ihn und seine Frau bekamen die abstrakten Schreckensmeldungen aus den Nachrichten in Dawdye ein Gesicht. So machten sie auch die Bekanntschaft einer Frau, die unentwegt wehklagte. Ihr Sohn hatte versucht, mit Frau und Kindern über das Mittelmeer nach Europa zu fliehen. Das Boot kenterte, und bis auf einen Jungen ertranken alle. Klopf: „Wenn man von solchen Schicksalen aus erster Hand erfährt und die Perspektivlosigkeit dieser Menschen sieht, wird man sehr traurig.“

Weihnachten mit Tochter nachgeholt

Inzwischen sind die Klopfs wieder aus dem Irak zurück, haben mit ihrer 13-jährigen Tochter, die während der Reise ihrer Eltern bereits bei ihrer Oma in Rumänien war, Weihnachten nachgefeiert. Doch die tragischen Schicksale der Vertriebenen im Nahen Osten lassen das Paar nicht los. Im März will es wieder in den Irak fliegen, Medikamente mitbringen und Kranke versorgen. Außerdem feiern die Kurden dann „Nouruz“, ein traditionelles Frühlings- und Neujahrsfest. „Das wollen wir mit unseren Freunden gemeinsam erleben“, sagt Martin Klopf. Denn „Nouruz“ zeigt nicht nur das Ende des Winters an, der in den Bergen im Nordirak hart ausfallen kann. Das Fest gilt auch als Symbol für den Widerstand gegen Unterdrückung und Gewalt.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren