Eine ausgebildete Pflegerin in einer Seniorenresidenz im Main-Taunus-Kreis ist wegen des Verdachts des dreifachen versuchten Mordes und Körperverletzung am Dienstag verhaftet worden. Die 53-jährige Deutsche sei auf einer Station eingesetzt gewesen, auf der Patienten teilweise seit mehreren Jahren in einem Wachkoma liegen, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main mit. Die Beschuldigte habe in mindestens zwei Nachtdiensten im Februar 2025 an drei Wachkoma-Patienten das Messgerät für den Puls und die Sauerstoffsättigung des Blutes entfernt. Dabei solle sie den Tod der Patienten „zumindest billigend in Kauf genommen haben“.
Auf der betreffenden Wachkoma-Station ist es nach Angaben der Staatsanwaltschaft notwendig, die lebenswichtigen Funktionen der Patienten über ein angeschlossenes Pulsoximeter zu überprüfen. Sobald der Puls oder die Sauerstoffsättigung des Blutes außerhalb von Grenzwerten liege, werde ein akustisches und optisches Notsignal abgegeben. „Das Entfernen eines Pulsoximeters ist regelmäßig geeignet, einen lebensbedrohlichen Zustand bei einem Wachkoma-Patienten herbeizuführen“, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Beschuldigte habe dies in Kenntnis dieses Umstands getan, um während ihrer Nachtschicht nicht durch die Alarmsignale gestört und zu pflegerischen Handlungen veranlasst zu werden.
In dem einen Nachtdienst hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft das Entfernen des Pulsoximeters zu einem lebensbedrohlichen Zustand eines Patienten geführt, da dessen Körpertemperatur auf bereits 41,6 Grad gestiegen und die Sauerstoffsättigung des Blutes auf 80 Prozent gesunken war. In dem zweiten Nachtdienst sei die Beschuldigte durch einen unangekündigten Kontrollbesuch in einem Aufenthaltsraum angetroffen worden, wobei bei zwei Patienten die Pulsoximeter abgeschaltet gewesen seien. Bei beiden Patienten sei die Sauerstoffsättigung bereits deutlich unter den Normbereich gesunken, so dass Maßnahmen zur Stabilisierung getroffen werden mussten. Neben der Festnahme sei ein vorläufiges Berufsverbot angeordnet worden.