Allein gibt’s keine Perspektive

Anfang kommenden Jahres wollen sich die beiden Kirchenkreise im Süden der Landeskirche zusammenschließen. Doch bis dahin bleibt noch einiges zu tun.

Die beiden stehen in Anzügen auf einer Rsenfläche
Die beiden stehen in Anzügen auf einer Rsenfläche

Göttingen/Hannoversch Münden. Der Kirchenkreis Münden im südlichsten Zipfel der Landeskirche Hannovers ist nicht nur geografisch an der Grenze, sondern mittlerweile auch organisatorisch. „Wir sind einfach zu wenige und überlegen deswegen schon seit Jahren, wie es mit uns weitergehen kann“, sagt Superintendent Thomas Henning. Schon die Pastoren-Vertretungen in den Sommerferien seien ein Problem. „Dann ist Holland in Not.“ Nur noch rund 20 000 Mitglieder in knapp elf Pfarrämtern zähle der Kirchenkreis.

Man habe verschiedene Möglichkeiten durchgespielt, viele Gespräche geführt und sich schließlich im Frühjahr 2021 entschieden, die Fusion mit dem Kirchenkreis Göttingen anzugehen, der selbst erst Mitte der 90er-Jahre entstanden ist. „Wir wollen den Süden der Landeskirche gemeinsam so entwickeln, dass wir hier eine starke Kirche bleiben“, betont Henning. Erst die Fusion gebe die „große Chance“ dazu.

Von allen getragen

Unterstützung bei der Ausgestaltung der Fusion gibt die Landeskirche Hannovers, auch ein Prozess­manager steht den Kirchenkreisen zur Seite. Und schließlich könne man von Erfahrungen anderer Kirchenkreise wie Lüneburg lernen, sagt der Superintendent zuversichtlich. Die Fusion werde von allen getragen.

Erfolgreich umschifft

Die unterschiedlichen Traditionen sind oft ein Hindernis bei Fusionen. Der Kirchenkreis Wesermünde, der seit 2013 besteht und heute knapp 50 000 Mitglieder in 31 Gemeinden umfasst, hat diese Hürde erfolgreich umschifft. „Man hat sich viel Zeit genommen und gut miteinander gesprochen“, sagt Albrecht Preisler, der seit 2019 Superintendent in Bad Bederkesa ist. Geholfen habe auch, dass die Strukturen beider Vorgänger-Kirchenkreise ähnlich gewesen seien und es kein finanzielles Gefälle gegeben habe. Außerdem seien gute Projekte jeweils aufgenommen und fortgeführt worden, so Preisler. „Das hat insgesamt gut funktioniert. Ich erlebe den Kirchenkreis als Einheit.“

Schwieriger gestaltete sich die Fusion beim Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen mit seinen heute 55 000 Mitgliedern in 28 Gemeinden. Der Zusammenschluss fand ebenfalls 2013 statt. „Es hat Jahre gedauert, allein die fomalen Unterschiede zum Beispiel bei Sach- und Personalkostenzuweisungen anzugleichen“, sagt der Wolfsburger Superintendent Christian Berndt rückblickend. Bis heute seien unterschiedliche Mentalitäten spürbar, so der Theologe weiter. Es gehe um Unterschiede von Stadt und Land. Doch insgesamt sei die Fusion gelungen und das Lagerdenken überwunden, bilanziert Christian Berndt. „Die Identitäten haben sich angeglichen. Alle bringen sich ein.“

Diskussion auf Synoden

Die Zeit, ihre Entscheidung reifen zu lassen, haben sich ähnlich wie Münden auch die beiden Kirchenkreise Lüneburg und Bleckede genommen, bis sie 2017 zum Kirchenkreis Lüneburg fusionierten. „Wir haben ein Jahr lang gewartet und eine Schleife gedreht, bis alle einsahen, dass eine Fusion Sinn macht“, sagt die Leitende Superintendentin Christine Schmid rückblickend. „Wir haben versucht, alle kulturprägenden Merkmale einzubeziehen – bis hin zur zweiten Superintendentur in Bleckede.“ Auch die Plakataktion „aus zwei mach eins“ habe zu einer gemeinsamen Identität geführt. „Jetzt sind alle zufrieden. Über die alten Kirchenkreise wird gar nicht mehr gesprochen.“

Die erste Zerreißprobe des neu entstehenden Kirchenkreises Göttingen-Münden steht allerdings schon Ende März an, wenn die Synoden über die ab 2023 anstehenden Mittel- und Stellenkürzungen diskutieren. „Das wird nicht ohne Konflikte und Emotionen abgehen“, sagt der Mündener Superintendent. „Aber wir haben keine Angst davor. Denn alle wissen, dass wir allein keine Perspektive hätten.“