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Afrika spekuliert über Papstbesuch – Leo wird wohl nach Angola reisen

Angola oder Algerien? Hauptsache Afrika! Seit Monaten brodelt die Gerüchteküche, welche Länder Papst Leo XIV. wohl bei seiner ersten Afrikareise besuchen wird. Ein Ziel im Südwesten steht nun offenbar fest.

Es geht wohl nach Angola, in eine frühere portugiesische Kolonie, in der heute mehr als 37 Millionen Menschen leben. Eher nebenbei wurde das Land im Südwesten Afrikas als ein Ziel der ersten Papstreise von Leo XIV. auf den Kontinent bekannt. In einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Luanda teilte der dortige Papstbotschafter, Erzbischof Kryspin Dubiel, am Dienstagnachmittag die Pläne von Papst Leo XIV. mit.

Aber: Eine offizielle Bestätigung seitens des Vatikans steht indes noch aus.

Leo habe die Einladungen der katholischen Bischöfe Angolas und des angolanischen Präsidenten João Lourenço angenommen, sagte Dubiel; Grundvoraussetzungen für den offiziellen Besuch eines Papstes. Derzeit werde die Afrikareise von Papst Leo XIV. vorbereitet, so der Apostolische Nuntius für das christliche Land. “Details zum genauen Datum oder Programm stehen noch nicht fest, werden aber bekannt gegeben, sobald sie feststehen”, sagte der aus Polen stammende Vatikandiplomat.

Endlich scheint damit zumindest ein Zielland bekannt. Seit Monaten wird in gleich mehreren Ländern spekuliert, ob Leo zum offiziellen Besuch kommt. Einladungen erhielt er einige, etwa von Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa, der im November zu einer Audienz im Vatikan war. Zuvor hatte das Kirchenoberhaupt bereits Simbabwes Präsidenten Emmerson Mnangagwa empfangen. Und als sich Abdelmadjid Tebboune, Präsident im nordafrikanischen Algerien, und der Papst nur gut zwei Monate nach dessen Amtseinführung trafen, hieß es bereits: Vorzeichen für eine Papstreise?

Die Spekulationen hat Leo XIV. selbst angeheizt. In dem Land mit den gut 47 Millionen Einwohnern sind Christen eine winzige Minderheit. Der Islam ist Staatsreligion, die überwiegende Mehrheit der Muslime sind Sunniten. Doch im heutigen Algerien wirkte Kirchenvater Augustinus (354-430) maßgeblich; Leo gehört dem Augustiner-Orden an. Nach seiner bislang ersten Reise als Papst in die Türkei und den Libanon hatte er dann auch im Dezember gesagt, er wolle unter anderem Algerien besuchen – und insgesamt von Reiseplänen nach Afrika gesprochen.

Doch auch andere, nicht erwähnte Länder stehen in den Startlöchern. Kamerun in Zentralafrika gehört dazu. Der dortige Langzeitherrscher Paul Biya (92) ist regelmäßig im Vatikan. Johannes Paul II. besuchte das Land mit seinen 30 Millionen Einwohnern 1985 und 1995, Benedikt XVI. dann 2009.

Im Oktober sorgte nun ein Schreiben, das von Samuel Kleda, Erzbischof von Douala, unterzeichnet wurde, für zahlreiche Gerüchte. In diesem wird ein Arbeitstreffen mit Vertretern der Hafenmetropole wie Vatikan-Gesandten angekündigt; Ziel: die Vorbereitung eines Papstbesuchs. Obwohl sich darin keine weiteren Informationen fanden, verkürzten kamerunische Medien: Papst Leo XIV. reist bald nach Kamerun; und sie spekulierten sogar darüber, wie das in der Hauptstadt Yaoundé aufgenommen wird.

Anders Nigeria: Als Leo am 8. Mai 2025 zum Kirchenoberhaupt gewählt wurde, erweckten Medien dort schnell den Anschein, er habe bereits “Papstreisen” in Afrikas einwohnerreichstes Land (235 Millionen) unternommen. Berichten zufolge war er tatsächlich zwischen 2001 und 2016 mindestens neun Mal in dem westafrikanischen Land und besuchte in verschiedenen Landesteilen Orte, an denen es Augustiner-Gemeinschaften gibt – aber natürlich nicht als Papst Leo XIV., sondern als Robert Francis Prevost. Jüngst äußerte er sich mehrfach zur prekären Sicherheitslage in weiten Teilen des Landes.

So viele Konflikte bietet Reiseziel Angola – zumindest offiziell – nicht. In dem christlich geprägten Land sind zwischen 41 und 60 Prozent der Einwohner Mitglieder der katholischen Kirche; genaue und verlässliche Zahlen gibt es allerdings nicht. Der 27 Jahre andauernde Bürgerkrieg nach Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft im Jahr 1975 ist ebenfalls längst Geschichte.

Allerdings ist die soziale Ungleichheit enorm: Angola verfügt über Öl und ist von diesem extrem abhängig. Nach Informationen der Weltbank lebt etwa jeder Dritte unterhalb der Armutsgrenze und hat täglich – statistisch betrachtet – weniger als 2,15 US-Dollar zur Verfügung. Mit Blick auf Bürgerrechte, politische Prozesse und Meinungsfreiheit stuft die nichtstaatliche Organisation Freedom House Angola als “nicht frei” ein. Bei Anti-Regierungsprotesten starben im vergangenen Jahr verschiedenen Angaben zufolge mindestens 29 Menschen.