Hamburg-Dulsberg

Zwei Häuser in einer Kirche

Es ist eine der teuersten Kirchensanierungen im Norden: 7,7 Millionen Euro kostet der Umbau der Kirche in Hamburg-Dulsberg. Dort sind jetzt gleich zwei neue Häuser untergebracht.

Die Dulsberger Frohbotschafts­kirche am Straßburger Platz

Die Dulsberger Frohbotschafts­kirche am Straßburger Platz

von Thomas Morell

Hamburg. Eine bundesweit ungewöhnliche Kirche steht im Hamburger Stadtteil Dulsberg. Zu Pfingsten ist sie eröffnet worden. In die große Saalkirche am Straßburger Platz wurden eine Kindertagestätte und ein Gemeindehaus gebaut. Beide Gebäude sind dreistöckig und über Brückengänge miteinander verbunden. Der ehemalige Chor wurde zu einem Gottesdienstraum gestaltet. Ein möglicher Abriss der denkmalgeschützten Stadtteilkirche war damit vom Tisch.

Knapp 4.000 evangelische Christen leben auf dem Dulsberg, einem vergleichsweise armen Quartier östlich der Alster. 1936 wurde die Frohbotschaftskirche geweiht. Mehr als 600 Besucher konnte sie aufnehmen, doch die hohen Heizkosten und die notwendige Sanierung überforderten die arme Gemeinde. Mehr als 25 Jahre lang wurde der Umbau diskutiert. Als Pläne bekannt wurden, sie abzureißen, regte sich massiver Widerstand im Stadtteil. Drei Jahre lang war sie nun für die Sanierung weitgehend geschlossen.

Umbau dauerte drei Jahre

Mit rund 7,7 Millionen Euro ist es eine der teuersten Kirchensanierungen der Nordkirche. Etwa die Hälfte kommt von der Stadt Hamburg aus dem Sanierungstopf und dem „Rise“-Programm zur Stadtentwicklung. Die andere Hälfte haben Gemeinde und Kirchenkreis aufgebracht. Auch wenn die Abschlussrechnung noch fehlt, rechnet Gemeindepastorin Hannegret Riepkes damit, dass das Geld reicht. Allerdings musste die Gemeinde zur Finanzierung einen Teil ihres Grundstücks verkaufen, auf dem derzeit ein SOS-Kinderdorf geschaffen wird.

Drei Jahre lang wurde gebaut. Das alte Gemeindehaus ist inzwischen abgerissen. Für ausreichend Licht ist gesorgt. Die beiden Innengebäude haben große Glasfronten, und die Fenster der „Kirchenhülle“ wurden aufgehellt. Der Kita-Spielplatz ist noch in Arbeit.

Die „Stöberstube“ ist in einem neuen Pavillon untergebracht. Hier werden nicht nur gebrauchte Kleider und Möbel, sondern auch Beratung und Seelsorge angeboten. Die Gemeinderäume sollen allen Menschen im Stadtteil zur Verfügung stehen, so dass sich die Kirche zu einem Bürgertreff entwickelt.

Schlechte Akustik im Gottesdienst

Das neue Gebäude bringe es mit sich, dass auch in der Gemeindearbeit neue Wege beschritten werden, sagt Pastorin Riepkes. „Wir sind noch in der Phase des Ausprobierens.“ Sorge bereitet ihr der neue Gottesdienstraum: Die Akustik sei so schlecht, dass sie im Gottesdienst nur schwer verstanden werde. Ein Gutachten soll Vorschläge erarbeiten, wie der Hall gedämpft werden kann.

Altar und Taufbecken konnte sich die Gemeinde von der Barmbeker Bugenhagenkirche ausleihen. Die alte Orgel wurde nach Polen verkauft. Eine kleinere Orgel erhält die Gemeinde von der benachbarten Bonifatius-Kirche, wenn sie 2020 aufgegeben wird. Ein Belüftungssystem sorgt für gute Luft, eine Solaranlage auf dem Süddach wärmt klimafreundlich den Betonkern des Gebäudes.

Gefeiert wurde die Wiedereröffnung am Pfinstsonnabend mit einem Gemeindefest. Prominente Gäste waren Bischöfin Kirsten Fehrs und Bausenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD). Am Tag darauf stand ein Festgottesdienst mit Pröpstin Astrid Kleist auf dem Programm. (epd)

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