Zwei Christen aus dem Norden in den Rat gewählt

Hamburger Hauptpastorin Astrid Kleist ist in dem Gremium bestätigt worden. Ein Student aus Hannover wurde im namibischen Windhuk neu gewählt.

Norbert Neetz

Windhuk. Im Sam-Nujoma-Stadion in Windhuk haben am Sonntag Tausende Christen aus aller Welt das Reformationsjubiläum gefeiert. Dabei predigte der frühere namibische Bischof und derzeitige Sozialminister des afrikanischen Landes, Zephania Kameeta, gegen Armut, Hass, Gewalt, Gier und Terrorismus. Das Gedenken an die Reformation Martin Luthers, die im Jahr 1517 ihren Anfang nahm, war der Höhepunkt der noch bis Dienstag andauernden zwölften Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB).
Man sei "in einer schwierigen, nicht abschätzbaren und gefährlichen Zeit in der Menschheitsgeschichte" zusammengekommen, sagte Kameeta und erinnerte an die islamistischen Anschläge auf koptische Kirchen. "Hier stehen wir mit Tränen in den Augen, wenn wir daran denken, was am Palmsonntag in Ägypten geschah", sagte er. Damals waren bei Angriffen auf zwei koptische Kirchen rund 50 Menschen gestorben, mehr als 100 wurden verletzt. Er glaube jedoch fest daran, "dass Hass, Gewalt, Gier, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, bittere Armut, Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Terrorismus, Extremismus, Diskriminierung und Tod, nicht das letzte Wort haben", sagte Kameeta.

"Gesicht der Nordkirche im Rat"

Unterdessen sind zwei Christen aus dem Norden Deutschlands in den Rat des LWB gewählt worden, der die Geschäfte zwischen den Vollversammlungen leitet: Eine ist Astrid Kleist, Pröpstin und Hauptpastorin an der Hamburger St. Jacobikirche, die bereits Mitglied in dem Gremium war. "Ich wünsche Astrid Kleist Gottes reichen Segen für ihr weiteres Wirken im Rat des Lutherischen Weltbundes", sagte Nordkirchen-Landesbischof Gerhard Ulrich nach der Wahl. Der Theologe ist auch Vorsitzender des Deutschen Nationalkomitees des LWB und Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).
Auch Klaus Schäfer, Direktor des Zentrums für Mission und Ökumene in der Nordkirche gratulierte Kleist. "So hat der LWB bei uns in der Nordkirche ein Gesicht, und für unsere vielen Partnerkirchen, mit denen wir in der weltweiten lutherischen Gemeinschaft verbunden sind, wird Astrid Kleist der Nordkirche ein Gesicht geben."

Nigerianer ist neuer Präsident

Auch der hannoversche Student Lasse Schmidt-Klie (26) ist in den Rat gewählt worden. Er stammt aus Goslar und war dort in der Konfirmandenarbeit und bei den Pfadfindern engagiert. Die Mitarbeit sei für ihn eine große Ehre, sagte Schmidt-Klie. "Ich möchte meine Perspektive als junger Mensch und als Europäer einbringen." Zur Zeit studiert er in Hannover Mathematik, evangelische Theologie und Erziehungswissenschaften.
Der Nigerianer Musa Panti Filibus ist indes neuer Präsident des LWB. Die Delegierten aus aller Welt wählten den Erzbischof der Lutherischen Kirche Christi in Nigeria an die Spitze des internationalen Kirchenbundes. Filibus stand als einziger Kandidat zur Wahl. Der 57-Jährige ist in seinem neuen Amt Nachfolger von Bischof Munib Younan aus den palästinensischen Gebieten, der seit 2010 an der LWB-Spitze stand und nicht wiedergewählt werden konnte.
Im Abschlussgottesdienst am Dienstag wird Filibus als Präsident eingeführt. Der LWB repräsentiert nach eigenen Angaben mehr als 74 Millionen Christen aus 145 Mitgliedskirchen und 98 Ländern. An der Vollversammlung nehmen sechs Delegierte aus der Nordkirche und sechs aus der hannoverschen Landeskirche teil. (epd)