Zuversichtlich in den Diskurs

Was beschäftigt die Menschen aktuell, was langfristig? Dazu hat Maike Lauther-Pohl als neue Studien­leiterin der evangelischen Akademie der Nordkirche einige Ideen.

Lauther-Pohl steht im Garten
Lauther-Pohl steht im Garten

Kiel/Breklum. Ihr geht es um die großen, gesellschaftspolitischen Themen und den Austausch darüber: Maike Lauther-Pohl ist die neue Studienleiterin für Gesellschaft und Religion der evangelischen Akademie der Nordkirche in Schleswig-Holstein. Seit Mai ist die Pastorin, die in Kiel wohnt, im Amt – und hat sich seither intensiv mit Inhalten, bestehenden und neuen Formaten sowie dem Netzwerk an Kooperationspartnern der Akademie beschäftigt.

Das Ziel sei stets, den Diskurs über die großen gesellschaftspolitischen Themen – Gerechtigkeit, soziales Zusammenleben, Klimagerechtigkeit, Antidiskriminierung und Antirassismus, unser koloniales Erbe – zu befördern, so Lauther-Pohl: „Wir als Kirche haben etwas zu sagen. Das halten wir wie auf einem Silbertablett hin – und die Menschen nehmen sich herunter, was sie davon brauchen. Kirche und Gesellschaft sind eng miteinander verbunden, die Schnittmengen gestalten wir mittels der Akademiearbeit.“

An drei Standorten vertreten

Das leistet die 54-jährige Theologin nicht im Alleingang, sondern mit einem Team weiterer Kolleginnen und Kollegen an den drei Standorten der Akademie in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Zudem kann sie auf ein bestehendes Netzwerk an Ansprechpartnern in den einzelnen Kirchenkreisen zurückgreifen. Um sich dort bekannt zu machen, ist sie bereits zu Antrittsbesuchen vor Ort gereist.

„Zuversicht in allem“

„Jeder Tag ist anders, ich bin viel unterwegs und mag es auch sehr, wenn es keine Gleichförmigkeit gibt“, beschreibt Lauther-Pohl ihre Arbeitstage. Die bestünden aus viel Absprache und Online-Treffen. Noch sei sie dabei, sich in die Themenfelder und Netzwerke einzufinden. „Ich bringe zwar ein kirchliches Netzwerk mit, aber hier braucht es viele gesellschaftliche Kontakte“, erläutert sie. Neben der großen Anzahl an Personen und Institutionen wie dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA), dem Christian-Jensen-Kolleg, dem Zentrum für Mission und Ökumene, die es kennenzulernen gilt, wartet auch eine Fülle an Inhalten und Veranstaltungsformaten auf sie.

Dem begegnet die Theologin mit Zuversicht – ein Wort, das für sie eine besondere Bedeutung hat. „Das ist die christliche Grundidee: Es steckt in allem Zuversicht drin. Wir dürfen uns darauf verlassen, dass Gott sagt: ‚Gedanken des Friedens habe ich für euch, nicht des Leides‘“, zitiert die Pastorin aus dem Jeremiah-Buch. Daraus folgert sie für die evangelische Akademie: „Natürlich müssen die Krisen sehr ernst genommen werden. Aber letztlich glaube ich, dass die Akademie Menschen befähigen kann, das eigene Potenzial und die Kraft zu entdecken, in die sozial-ökonomische Transformation zu gehen – und daran kann, darf und soll Kirche mitarbeiten. Das versuche ich, zu gestalten.“

Programm für 2023 steht

Aktuell hat sie, gemeinsam im Team der Akademie, das Programm für kommendes Jahr fertiggestellt. „Ich versuche, Angebote zu machen, um eine Tür aufzumachen“, schildert Lauther-Pohl. Jetzt im Winter habe Kirche die Aufgabe, ganz genau hinzugucken: Wie geht es den Menschen angesichts der Pandemie und der Energiekrise wirklich? Was beschäftigt die Menschen im Einzelhandel? An dem Austauschformat, das Mitte Dezember veranstaltet werden soll, beteiligen sich auch Diakonie­ und KDA. „Es geht darum, zu überlegen: ,Was können wir tun, um zu helfen‘“, so Lauther-Pohl.

Wichtig sei zudem, junge und ältere Menschen zusammenzubringen, um einen ganzheitlichen Diskurs zu erreichen. „Ich versuche immer, auch die Perspektive junger Menschen mit hineinzubringen“, betont sie. Beispielsweise mit einer Online-Veranstaltungsreihe, die gemeinsam mit dem evangelischen Regionalzentrum Westküste entwickelt wurde: Dort werden der Klimawandel und nachhaltiges Handeln in der Kirche in den Fokus gerückt. „Was setzen wir um? Erreichen wir unsere selbst gesteckten Ziele? Nachdem Expertinnen und Experten referiert haben, sollen zwei junge Menschen eine Resonanz darauf geben“, so Lauther-Pohl, die zuvor 13 Jahre als theologische Beauftragte für den Verband Evangelischer Kitas in Schleswig-Holstein arbeitete.

Ein weiteres Beispiel für erfolgreiche Akademie-Arbeit sei das medizintheologische Kolloquium in einem Schleswiger Krankenhaus über Medizin im Nationalsozialismus, an dem auch Bischof Gothart Magaard teilnehmen wird. Vorbereitet sei es von ihrem Vorgänger im Amt, Joachim Kretschmar, der eine hervorragende Arbeit hinterlasse. Akademiearbeit heiße stets, Theologie mit anderen Wissenschaften zusammenzubringen, so die Theologin. Ihr gehe es darum, verschiedene Haltungen und Möglichkeiten ausloten – allerdings ohne dabei „gesichtslos“ zu sein. Und der Weg dahin? „Da sind wir gefragt, zu experimentieren“, sagt sie mit einem Schmunzeln.