Restauration

Zerstörte Gemälde zurück in Kirche von Grimmen

Zu Ostern 2015 hatte ein Unbekannter in der Grimmer Kirche gewütet und die Leinwand eines alten Pastorengemäldes aufgerissen. Drei weitere Bilder waren vom Holzwurf befallen. Nun sind alle vier gerettet.

Restaurator Georg von Knorre vor zwei der Gemälde, eine Woche vor ihrer Fertigstellung

von Sybille Marx

Grimmen/ Rostock. Kalt und feucht war es lange Zeit unter ihren Füßen. Die Rahmen, die ihnen Halt geben sollten, waren vom Ungeziefer angefressen, ein milchiger Schleier lag zwischen ihnen und der Welt: Die vier Grimmer Pastoren, die auf übermannshohen Gemälden aus dem 17. bis 19. Jahrhundert zu sehen sind, haben schwere Zeiten hinter sich. „Die Bilder standen jahrelang auf dem kalten Fußboden im Chorumgang der Kirche, waren verschmutzt und verkommen,“ beschreibt Gemeindepastor Wolfgang Schmidt. „Es war ein jämmerlicher Zustand.“
Für rund 28 000 Euro hat die Gemeinde sie nun in einer Werkstatt in Rostock überarbeiten lassen, von Kunst-Restaurator Georg von Knorre. Anfang dieser Woche sind sie zurückgekehrt, jetzt blicken sie dem Kirchenbesucher im Mittelschiff entgegen: die Pastoren Bernhard Alberti (1588-1644), Johann Christian Berends (1680-1745), August Christian Brunst (1690-1768) und Superintendent Carl Wilhelm Johann Bindemann (1814 bis 1878), alle im Talar.

"Unglaubliche Arbeit" des Restaurators

„Sie tun unserer Kirche gut“, findet Pastor Schmidt. Wie Restaurator von Knorre sie wiederhergestellt habe, sei unglaublich. Und für die Gemeinde hätten sie einen hohen ideellen Wert, „weil diese Pastoren hier viel bewegt haben.“ Alberti etwa hatte in den Zeiten des 30-jährigen Kriegs, als die Region auch noch von Stürmen gebeutelt wurde, das Dach der Marienkirche neu befestigen lassen. „Die hätte sicher sonst großen Schaden genommen“, sagt Schmidt. Superintendent Bindemann wiederum ließ die mittelalterliche Kirche in neogotischem Stil umbauen. „Aus heutiger Sicht ist das zwar eher schade, weil die ganze Einrichtung nun sehr dunkel ist“, sagt Wolfgang Schmidt, „Aber sie ist aus einem Guss.“ Insofern habe Bindemann eine große Leistung erbracht.
Bindemanns Bildnis allerdings hat man übel mitgespielt: Zu Ostern 2015 wüteten Unbekannte in der Grimmer Kirche und rissen ein Loch, das in der Leinwand prangte, mutwillig weiter auf. „Allein dadurch sind rund 2000 Euro Extrakosten entstanden, und vor allem war es ein Schock für uns“, sagt Wolfgang Schmidt.

Schäden durch Nagekäfer

Den anderen drei Pastorengemälden erging es nicht viel besser. „Jahr für Jahr sahen sie erbärmlicher aus“, sagt Restaurator von Knorre, der in seiner Freizeit gern durch Kirchen von Mecklenburg-Vorpommern streift. Die Gemälde in Grimmen waren ihm aufgefallen, „weil sie auf dem feuchten Fußboden standen und offensichtlich von Ungeziefer befallen waren.“ Dass die Gemeinde sich entschied, sie nun zu retten, freut ihn. „Es sind, verglichen mit anderen Gemälden aus der Zeit, zwar keine herausragend gemalten Bilder“, sagt er. „Aber Kulturgüter, die eine Geschichte und einen ideellen Wert haben.“
Wie viele Arbeitsstunden er an ihnen gesessen hat, kann er nicht genau sagen. Nur so viel: Fast eineinhalb Monate musste er sie in seiner Werkstatt mit Stickstoff begasen, um den gewöhnlichen Nagekäfer, amnobium punctatum, aus dem Holz zu treiben. Dann begann die eigentliche Restaurierungsarbeit: Dort, wo die Fraßschäden in der Rückwand besonders groß waren, festigte von Knorre das Holz mit Kunstharz, tauschte einzelne Stücke gegen neues Holz aus. An alle Rahmenecken brachte er Winkel an. „Diese Bilder sind ja unglaublich schwer“, erklärt er. „Wenn man die wieder aufhängen will, brauchen sie Stabilität.“ Er entfernte den alten, vergilbten Firnis – die Abschlusslasur – von den Gemälden und den Schrifttafeln darunter, schloss Wurmlöcher mit Grundierung, festigte lockere Farbschichten und ergänzte Farbe an Fehlstellen in der Farbschicht.
Wolfgang Schmidt hofft, dass mit den vier Gemälden das Bewusstsein für die eigene Geschichte in seiner Gemeinde wieder um ein Stück wächst. Und dass es gelingt, die noch fehlenden 4000 Euro Spenden für die Restaurierung schnell aufzutreiben. 10 000 Euro kamen allein von der Nordkirche, aus einem Fonds für Kunstschätze. Die Sparkassenstiftung steuerte etwas bei, der Kirchengemeinderat gewann weitere Spender, erzählt Pastor Schmidt. „Das war eine tolle Gemeinschaftsaktion.“

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