Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) macht sich Sorgen um die Artenvielfalt der Gartenvögel. Nach der diesjährigen Zählung bei der „Stunde der Wintervögel“ spricht die LBV-Biologin Angela Nelson von einem „besorgniserregenden Schwund“ von früher häufigen Vögeln. Es lasse sich ein schleichender, aber kontinuierlicher Rückgang der Vogelzahlen in den Gärten feststellen, heißt es in einer Mitteilung vom Dienstag. Vor allem fehle es vielen Vogelarten zunehmend an geeigneten Lebensräumen und genügend Insekten zur Jungenaufzucht, so die Ornithologin.
Trotz Schnee, Eis und Kälte an den Zähltagen in der zweiten Januarwoche seien die Futterstellen in den Gärten weniger besucht gewesen, teilt der LBV mit. In Bayern hätten knapp 30.000 Menschen in mehr als 21.300 Gärten und Parks insgesamt 626.600 Vögel gezählt. Die durchschnittliche Vogelzahl pro Garten von 29 habe leicht unter dem Vorjahreswert gelegen.
Die Top Ten der häufigsten Wintervögel führt wieder der Haussperling an, gefolgt von Kohlmeise und Feldsperling. Dahinter tauchen Amsel und Blaumeise, Buchfink, Elster, Grünfink und das Rotkehlchen auf. Den Abschluss bildet die Rabenkrähe. Der Bergfink, der im vergangenen Jahr auf Platz sieben lag, ließ sich heuer kaum in Bayern blicken, ebenso wie Erlenzeisige aus dem Norden.
Manche Vogelbeobachter in Nordbayern berichteten von fliegenden Formationen laut rufender Kraniche. „Vermutlich handelte es sich bei diesen Vögeln um eine Winterflucht infolge des deutlichen Kälteeinbruchs am Zählwochenende“, sagte Nelson. Auch Kormorane sammelten sich und suchten gemeinsam nach eisfreien Flüssen und Seen, um dort Fische zu fangen.
Überraschend sahen Gartenbesitzer im Landkreis Forchheim den Wiedehopf, so der LBV. Der Vogel sei eigentlich eine wärmeliebende, auf größere Insekten angewiesene Art, die normalerweise südlich der Sahara überwintere.
Die nächste Vogelzählung findet vom 8. bis 10. Mai 2026 statt. Dann rufen der LBV und sein bundesweiter Partner NABU alle Vogelfreunde zur „Stunde der Gartenvögel“ auf, bei der die Brutvögel in den Gärten und Parks gezählt werden. (0263/27.01.2026)