Wo Zeit verschenkt wird

Wenn Menschen sich mit Problemen konfrontiert sehen, greifen sie oft zum Hörer. Und das seit 25 Jahren, denn jetzt feiert die Telefonseelsorge Schwerin Jubiläum.

Telefonseelsorge Bonn Rhein-Sieg am 14.09.2006.
Telefonseelsorge Bonn Rhein-Sieg am 14.09.2006.© epd-bild / Meike Bˆschemeyer

Schwerin. „Telefonseelsorge, guten Tag“ – Diese Begrüßung steht für Anteilnahme, geduldiges Zuhören, Sich-Zeit-Nehmen. Telefonseelsorge, das heißt, sich mit seinen ganz persönlichen Themen in eine vertrauliche Gesprächsatmosphäre zu begeben, anonym und unverbindlich – ein Angebot.
„Offenheit ist eine Grundeigenschaft von Telefonseelsorgern“, so Uta Krause, Teamleiterin der Schweriner Telefonseelsorge-Stelle, die am 17. November 1991 ans Netz ging. Kurz darauf folgte Rostock, Greifswald und Neubrandenburg kamen dazu.
Anders als die derzeit 86 Ehrenamtlichen in Schwerin, für die strikte Anonymität gilt, repräsentiert Uta Krause die Schweriner Telefonseelsorge nach außen. So kann sie davon berichten, wie dieses anspruchsvolle Ehrenamt nicht nur ein offenes Angebot für Menschen mit Sorgen jeglicher Art darstellt, sondern oft auch ein Zugewinn für diejenigen ist, die aus freien Stücken etwas von ihrer Zeit abgeben.

Ehrenamtliche oft ohne Konfession

Was ihr Team anbietet, das sei „eine Oase innerhalb der Gesellschaft“, so Uta Krause. Dabei handle es sich keineswegs um ein rein kirchliches Angebot: „Ein Drittel unserer Ehrenamtlichen ist selbst konfessionslos. Und die Sorgen, mit denen bei uns angerufen wird, sind sowieso immer unterschiedlich. Wir hören zu, sind da. Wir haben Zeit zu verschenken, das ist der größte Wert der Telefonseelsorge. Aber natürlich vertrauen wir darauf, dass Gott auch immer dabei ist.“
Was die Anrufer umtreibt, spiegele stets auch aktuelle gesellschaftliche Themen, insofern wandelten sich die Probleme im Laufe der 25 Jahre natürlich immer wieder. „Was in der Gesellschaft passiert, passiert auch bei uns“, so Uta Krause.
Einige Sorgen begegneten den Ehrenamtlichen im Telefondienst aber auch häufiger: Beziehungs- und familiäre Probleme etwa, oder Probleme mit den Kindern. Die größte Sorge aber sei für viele Menschen die Einsamkeit; oft riefen auch Kinder und Jugendliche an. Doch längst nicht jeder wisse überhaupt um diese Möglichkeit. Dabei ist die Rufnummer jederzeit zu erreichen – bundesweit und kostenlos.

Anonymität schützt Anrufer – und Mitarbeiter

Die vielen Ehrenamtlichen bleiben dabei im Verborgenen. „Die Anonymität schützt nicht nur die Anrufer, sondern auch unsere Mitarbeiter. Das heißt allerdings auch, dass kaum jemand aus dem privaten Umfeld Kenntnis von dieser Tätigkeit hat. Manchmal macht da natürlich gerade die Nachbarschaft sich dann so ihre Gedanken…“, scherzt Uta Krause und ergänzt: „Aber im Ernst, unsere Mitarbeiter verdienen ein großes Dankeschön für das, was sie tun.“ Gelegenheit hierzu bietet am 17. November um 18 Uhr ein öffentlicher Gottesdienst in der Schweriner Paulskirche.
Info
Die Telefonseelsorge ist bundesweit unter 0800 / 111 01 11 oder auf www.telefonseelsorge.de erreichbar. In Mecklenburg-Vorpommern ist sie an vier Standorten vertreten. Bewerbungen oder Rückfragen unter 0385 / 512 525 (Schwerin), 0381 / 20 35 4856 (Rostock), 03834 / 889 162 (Greifswald) und 0395 / 56 83 920 (Neubrandenburg).