Wo Mode nachhaltig wird

Aus den Spenden in der Altkleidersammlung werden neue Kleidungsstücke – jetzt kommt die erste Kollektion aus dem Projekt des Frauenwerks Lübeck-Lauenburg auf den Laufsteg.

Frauenwerks-Leiterin Silke Meyer zeigt ein Upcycling-Kleid aus einer weißen Jeansjacke und türkisem Tüll
Frauenwerks-Leiterin Silke Meyer zeigt ein Upcycling-Kleid aus einer weißen Jeansjacke und türkisem TüllKristina Larek

Lübeck. Ob gepunktet, gestreift oder kariert – für den Schlipsrock wurden unzählige ausrangierte Krawatten zusammengenäht und mit einem Bündchen versehen. Dieses Stück ist eines der Highlights für Silke Meyer: „Mit einem Petticoat getragen passt er toll in den aktuellen Vintage-Trend“, findet die Leiterin des Evangelischen Frauenwerks Lübeck-Lauenburg. Der Krawattenrock ist eines von rund 200 Stücken der ersten Kollektion des Labels „Chic. Fair. Weltbewusst“, die am Freitag, 2. November, im Jugendzentrum am Burgtor präsentiert wird.
Die Kollektion umfasst alles, was das Modeherz begehrt. Eine unscheinbare schwarze Weste kombiniert mit einem Etuirock ist jetzt ein modernes Abendkleid. Aus abgewetzten Jeans sind modische Taschen entstanden, und „eine Frau hat sogar Hüte extra für das Projekt gestaltet“, erzählt Silke Meyer. Manche Teile haben ein ganz neues Leben bekommen, andere sind nur ein bisschen aufgepeppt worden. Zum Beispiel eine weiße Jeansjacke, die durch einen türkisfarbenen Tüllrock zu einem Festkleid-Unikat wurde.Die internationale Nähgruppe Lübeck, ein Nähteam aus dem Lydia-Café in Ratzeburg und einige einzelne Nähbegeisterte haben allen Teilen ein zweites oder drittes Leben eingehaucht. 

Was Mode mit Kirche zu tun hat

Zwei Dinge haben alle Stücke der Kollektion gemeinsam: Alle Kleidungsstücke sind gespendet. Die Vorwerker Diakonie hat für das Projekt Kleidung aus ihren Secondhand-Läden abgegeben, einige Stücke sind Restposten vom jährlichen Flohmarkt, und auch die Brockensammlung Lübeck hat Kleider zum Upcycling bereitgestellt. „Wir haben auch von Einzelnen Kleidungsstücke gespendet bekommen, weil sie das Projekt so toll finden“, erzählt Meyer. Außerdem bekommt jedes fertige Teil das leuchtend rote Label „Chic. Fair. Weltbewusst“.
Auf den ersten Blick habe Mode vielleicht nicht viel mit Kirche zu tun. Aber gerade beim Schöpfungsgedanken müsste man global denken, findet Meyer. „T-Shirts kosten zum Teil weniger als fünf Euro, doch den wahren Preis zahlen die Arbeiter und die Umwelt in fernen Ländern“, so Meyer. Gemeinsam mit Angela Gläser vom Deutschen Frauenring Lübeck und Dörte Eitel von der Gemeindediakonie hat Silke Meyer das Upcycling-Projekt gestartet, um zu mehr Nachhaltigkeit anzuregen und für fairen Handel in der Bekleidungsbranche zu werben. „Wenn wir als kirchliche Institutionen da Vorreiter werden, dann kann das andere ermutigen“, hofft Meyer.

Reparieren statt wegwerfen

Laut einer Befragung der Umweltorganisation Greenpeace hat jeder Deutsche im Schnitt 95 Kleidungsstücke. Spätestens nach drei Jahren werden mehr als die Hälfte der Oberteile, Hosen und Schuhe ausgemustert – entweder weil sie verschlissen sind oder nicht mehr passen.
 Zwei von drei Befragten jedoch trennen sich von Kleidungsstücken, weil sie nicht mehr gefallen oder nicht mehr im Trend sind. Und 31 Prozent wollen einfach mehr Platz im Kleiderschrank schaffen. Mit „Chic. Fair. Weltbewusst“ wollen Silke Meyer und ihre Mitstreiterinnen diesen Trend stoppen. „Kleidung tauschen, reparieren oder eben upcyceln“ und nicht wegwerfen, darum geht es Meyer.
Info
Das Upcycling-Event findet am Freitag, 2. November, im Jugendzentrum am Burgtor, Große Burgstraße 2, in Lübeck statt. Um 16 Uhr beginnt die Projektvorstellung mit Informationen rund um das Thema faire Mode, um 17 Uhr die „Chic. Fair. Weltbewusst“-Modenschau mit Charity-Verkauf, ab 19 Uhr steigt dann die Mottoparty „Schrecklich schön“.