Uwe Mletzko ist neuer Leiter der Ev. Stiftung in Hamburg-Alsterdorf

Wo Inklusion gelebt wird

Er kennt sich aus mit diakonischen Unternehmen: Uwe Mletzko war zuletzt Geschäftsführer der Diakovere in Hannover. Jetzt leitet er die Ev.Stiftung Alsterdorf.

Pastor Uwe Mletzko ist neuer Direktor in Alsterdorf

von Thomas Morell

Hamburg. Der neue Direktor der Evangelischen Stiftung Alsterdorf in Hamburg, Pastor Uwe Mletzko, hat mehr Anstrengungen zur Integration behinderter Menschen gefordert. Es brauche mehr Arbeitsplätze für sie, barrierefreie Wohnungen und inklusive Freizeitangebote, sagte der 55-Jährige dem Evangelischen Pressedienst (epd). Vor allem in der Gesundheitsversorgung sehe er noch „große Defizite“. Mletzko ist seit Jahresanfang in Alsterdorf tätig und wird am kommenden Freitag, 21. Januar, in der Hauptkirche St. Petri von Bischöfin Kirsten Fehrs in sein Amt eingeführt. Er ist Nachfolger von Hanns-Stephan Haas, der vor einem Jahr sein Amt niedergelegt hatte.

Mletzko ist seit 17 Jahren führend in diakonischen Unternehmen tätig. Zuletzt war er Theologischer Geschäftsführer der Diakovere in Hannover, Niedersachsens größtem Diakonieunternehmen. Ehrenamtlich war er zehn Jahre lang Vorstandsmitglied des Bundesverbands evangelische Behindertenhilfe, sechs Jahre davon als Vorsitzender.

Innovatives Unternehmen

Die Ev. Stiftung Alsterdorf habe er in den vergangenen 20 Jahren als besonders innovatives Unternehmen wahrgenommen, sagte Mletzko. Auf dem Gelände der ehemaligen „Anstalten“ habe sich mit dem Alsterdorfer Markt ein Quartier entwickelt, in dem Inklusion gelebt werde. Von diesem Modell sollten auch andere Quartiere der Stadt profitieren.

Blick auf den Alsterdorfer Markt Foto: Stiftung Alsterdorf

Trotz aller Fortschritte in der Inklusion sieht der neue Alsterdorf-Direktor noch viele ungelöste Aufgaben. So hält er eine höhere Ausgleichsabgabe für Betriebe, die keine behinderten Menschen beschäftigen, für sinnvoll. Viel wichtiger sei ihm aber ein Wandel in den Köpfen der Betriebe. Mit Beratung und Praktika könnten viele Betriebe lernen, wie produktiv behinderte Menschen sein können.

Eine große Herausforderung sei auch die Verbesserung des Gesundheitswesens für erwachsene Menschen mit Behinderung, so Mletzko. Er wisse aus Gesprächen, dass vielen Ärzten das Fachwissen fehle, welchen Einfluss die jeweilige Behinderung auf die zu diagnostizierende Krankheit habe. Häufig mangele es an der Sprachfähigkeit der behinderten Menschen. Mittlerweile gebe es Vereinbarungen mit den Krankenkassen, so dass eine Vertrauensperson die Behandlung begleiten kann.

Gelebte christliche Werte

Aufgewachsen in Bremervörde studierte Mletzko Theologie in Bielefeld und Heidelberg. Berührungspunkt mit der Diakonie habe es durch die eigene Familie und seine Arbeit neben dem Studium gegeben. „Behinderung war immer irgendwo Thema.“ Eine enge Verbindung zwischen Kirche und Diakonie sei ihm wichtig.

Dass die Ev. Stiftung Alsterdorf auch Menschen ohne Kirchenmitgliedschaft beschäftigt, hält der neue Direktor für richtig. Wichtiger für ein diakonisches Unternehmen seien gelebte christliche Werte – allen voran die Menschenwürde. „Wenn die Haltung stimmt, dann ist viel erreicht.“ Für ihn gehört zum christlichen Menschenbild, nicht die Defizite des Menschen in den Vordergrund zu stellen, sondern ein gutes Leben. Zugleich unterstütze er Angebote im Unternehmen, um Gespräche über den eigenen Glauben zu initiieren.

Was zu den Alsterdorfer Aufgaben gehört

Die Ev. Stiftung Alsterdorf ist mit rund 6.500 Mitarbeitenden eines der bundesweit größten Sozialunternehmen. Die Aufgabenfelder umfassen Assistenz-, Wohn- und Bildungsangebote für Menschen mit Behinderung sowie Angebote in der Kinder- und Jugendhilfe. Zur Stiftung zählen auch das Ev. Krankenhaus, Kitas und die Bugenhagenschulen. (epd)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren