Wieder zum Leben erweckt

Im kleinen Ziegendorf stand das Pfarrhaus lange leer. Jetzt hat Kirchengemeinde es wieder für sich entdeckt – und zieht mit vielen Angeboten ein.

Ziegendorf. Ziegendorf bei Parchim ist ein typischer Ort in Mecklenburg: Nach der Friedlichen Revolution reduzierte sich die Einwohnerzahl von 800 auf 300, Konsum, Bank, Schule schlossen. Nachdem die Kirchengemeinden Ziegendorf/Wulfsahl und Herzfeld zusammengelegt wurden, ist der Pfarrsitz in Herzfeld. Das um 1913 gebaute Pfarrhaus in Ziegendorf beherbergte einige Jahre noch Vikare, im Winter fanden Gottesdienste statt, und die Senioren trafen sich. Aber: „Das Haus verfiel in einen Dornröschenschlaf“, erzählt Alena Saubert, seit 2009 Pastorin in der Kirchengemeinde.
Doch in Ziegendorf blieb es nicht dabei: Pastorin Saubert lernte die umtriebige Bettina Degel, 58, kennen, die mit ihr über die fünf Kirchdörfer fuhr und in den Gottesdiensten Orgel spielte. „Dann stellte Frau Degel mit Kindern Geschichten auf die Beine, lud zu kleinen Theaterprojekten in das Pfarrhaus ein“, sagt Pastorin Saubert. Die Kirchengemeinde stellte einen Antrag bei der Stiftung „Kirche mit Anderen“ im Kirchenkreis Mecklenburg und bat um Unterstützung beim „Geeindeaufbau Ziegendorf“. Dadurch konnte Bettina Degel von 2012 bis 2014 Teilzeit als Mitarbeiterin in der Öffentlichkeitsarbeit angestellt werden. Sie richtete im Pfarrhaus eine Bibliothek ein, knüpfte Kontakte zum Kindergarten und lud wöchentlich Frauen zu einem Gesprächs- und Arbeitskreis ein.

Verein "Landleben" gegründet

Die Frauen brachten bald ihre Männer mit, renovierten die Küche, sanierten die Sanitäranlagen. Dazu kam Tobias Schweitzer, Landschaftsarchitekt und „auch so ein umtriebiger Geist“, wie die Pastorin sagt. Er gestaltete – kostenfrei – den Pfarrgarten mit Hilfe der Frauen um. Sie bewarben sich um den Titel „Schönste Straße Deutschlands“. Die Ziegendorfer gehörten zu den Siegern und bekamen 5000 Euro.
Die Frauengruppe wuchs, und es wurde der Verein Landleben e.V. gegründet. Mit so einem Verein ist es einfacher, Fördermittel zu beantragen. Der Verein lud zu Sport, Hausaufgabenhilfe, EDV-Kursen für Senioren oder Malkursen in das Pfarrhaus ein.
Das Jahr 2016 stand unter dem Motto „Gemeinsam statt einsam“. Bürgermeisterin Petra Mannfeld, natürlich auch Vereinsmitglied, wurde – stellvertretend – für das ehrenamtliche Engagement von der „Bild der Frau“ ausgezeichnet. Es gab 10.000 Euro. Dies war der Grundstock für den Umbau des Pfarrhauses.

Gottesdienste weiter im Pfarrhaus

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn bewilligte dann 89.500 Euro für die Entwicklung des Pfarrhauses zu einem Haus für alle Generationen aus – damit war das Ziegendorfer Pfarrhaus eines von 16 geförderten Häusern bundesweit. Im vergangenen Jahr wurde saniert und umgebaut.
Kirchengemeinde und Verein haben unterdessen einen Nutzungsvertrag über 15 Jahre abgeschlossen. Eigentümer ist nach wie vor die Kirchengemeinde. Sie feiert weiter ihre Gottesdienste im Winter im Pfarrhaus. Eine kleine Wohnung steht für Menschen zur Verfügung, die zeitlich begrenzte Projekte anbieten. Mieteinnahmen sollen für die Erhaltung des Hauses sorgen. Es werden Ideen gesucht, was noch in diesem Haus angeboten werden kann – ohne in Konkurrenz zu bestehenden Einrichtungen zu gehen.

Garten wird umgewandelt

Dieses Jahr steht unter dem Motto „Gartendorf – Ziegendorf“. Der schon bestehende Kräutergarten soll in einen Hildegard-von-Bingen-Garten umgewandelt werden und eine Streuobstwiese wird angelegt. Ein alter Pilgerweg durch das Ruhner Land soll wieder mit Bäumen bepflanzt werden.
Im alten Pfarrhaus ist erst einmal für zwei Jahre mit Sabine Uhlig das „Zentrum der lokalen Allianz für Menschen mit Demenz“ eingezogen. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig war schon zu Gast und sagte eine Förderung zu.