Neue Leiterin für Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt

Wie Renate Fallbrüg den KDA leiten will

Was hat Kirche mit Arbeit zu tun? Eine ganze Menge: Der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) kümmert sich um Fragen und Probleme von Beschäftigten – ab September mit der neuen Leiterin Renate Fallbrüg.

Renate Fallbrüg leitet künftig den KDA

von Evelyn Sander

Hamburg. Ein Drei-Jahres-Plan? Renate Fallbrüg lacht. „Die Arbeitswelt ist in einem rasanten Wandel, so etwas macht keinen Sinn“, sagt die theologische Referentin vom „Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt“ (KDA). Sie übernimmt am 1. September die KDA-Leitung von Gudrun Nolte, die in den Ruhestand geht. Anstelle von Plänen hat die Neue lieber ihr Ohr am Puls der Zeit.

Schon seit 70 Jahren ist der KDA Hamburg die Schnittstelle zwischen Kirche und Arbeit, organisiert Vorträge und berät Mitarbeitende wie Unternehmen zu ständig wechselnden Themen. Fallbrüg: „Aktuell geht es zum Beispiel um neue Arbeitsformen wie Homeoffice, die belastende Situation der Pflegekräfte, die Energiekrise und Bio-Landwirtschaft.“

Von Digitalisierung bis Nachhaltigkeit

Vor 70 Jahren waren die Themen andere: Die Arbeitslosigkeit in Deutschland überschritt 1952 erstmals die Zwei-Millionen-Grenze, Gewerkschaften kämpften für bessere Arbeitsbedingungen in der Industrie und für eine 40-Stunden-Woche. Es ging um Arbeitsschutz, Pausenräume und Seelsorge in Industrie und Landwirtschaft, heute drehen sich die Themen um Digitalisierung, New Work und Nachhaltigkeit.

Das Thema Digitalisierung steht beim KDA ganz oben auf der Liste Foto: Pixabay

Gegründet wurde der KDA, um Arbeitern zur Seite zu stehen. Auf der Basis des christlichen Menschenbildes engagiere er sich für eine menschengerechte Gestaltung von Arbeit und für nachhaltiges Wirtschaften. „An dieser Idee hat sich über die Jahrzehnte nichts geändert“, so Fallbrüg. Kirche müsse zu den Menschen gehen, und Arbeit gehöre nun mal dazu. So bietet der KDA Workshops, Vorträge sowie Beratungen an und arbeitet dabei eng mit Unternehmen und Gewerkschaften zusammen.

„Wir versuchen, das ganze Arbeitsspektrum abzudecken“, sagt die 58-Jährige, die mit ihren 16 Mitarbeitenden nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Arbeitgeber im Blick hat. Fallbrüg selbst baute vor 14 Jahren die Abteilung „Führung und Verantwortung“ auf. Verantwortung ist für sie das Schlüsselwort: „Unternehmerinnen und Unternehmer müssen respektvoll und wertschätzend mit ihrem Team und der Umwelt umgehen“, sagt die Pastorin.

Viele Fragen nach der Pandemie

Für Fallbrüg ist es dieser andere Blick, der den KDA ausmacht. Es sind christliche Werte und auch ethische Fragen, die sie Beschäftigten und Unternehmen näher bringen will. In Krisen, aber auch im Alltag. „Grundsätzlich ist die Wirtschaft immer härter geworden“, beobachtet Fallbrüg. Sie und ihr Team wollen informieren, aber auch für die Menschen „einfach da sein“ und ins Gespräch kommen. Im Hamburger Stadtteil Hammerbrook organisieren sie zum Beispiel „Gute Begegnungen“ für Menschen, um Kolleginnen und Kollegen aus dem Homeoffice branchenübergreifend miteinander zu vernetzen.

In anderen Fällen geht es um Konflikte mit Kollegen, Kündigungen, zu hohe Arbeitsbelastung, aber auch um schlecht bezahlte Jobs und Perspektivlosigkeit. Gerade nach der Pandemie hätten die Menschen viele Fragen: Wie wollen wir in Zukunft arbeiten? Wie schaffen wir den Weg raus aus der „Erregungskultur“, wo es immer nur um schneller, billiger oder die meisten Online-Klicks geht? „Die Arbeitswelt steht an einem Kipp-Punkt“, findet die Expertin. Angesichts des Klimawandels brauche es neue Modelle für eine nachhaltige Wirtschaft. Fallbrüg: „Die Herausforderungen der Zukunft können wir nur gemeinsam lösen.“ (epd)

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