Freiwilliges Soziales Jahr

Wie Jugendliche dem Denkmalschutz helfen

Das Freiwillige Soziale Jahr soll in Pasewalk ab Herbst offen für den Denkmalschutz sein. So können junge Leute bald mithelfen, Kirchen zu sanieren oder Schätze zu heben.

Jugendliche streichen ein Kirchenfenster in Barth

Jugendlicher Einsatz an der St. Marienkirche in Barth

von Sybille Marx und Sebastian Kühl

Pasewalk. Dass es jungen Leuten Spaß machen könnte, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Denkmalschutz bei der Kirche zu absolvieren – diese Idee kam Anett Burkhardt vom Pommerschen Kirchenkreis, als im vergangenen Jahr FSJ-Gruppen in Pasewalk anrückten: An der historischen Mauer des Alten Friedhofs sowie in der Kirche Stolzenburg waren die jungen Freiwilligen für jeweils eine Woche im Praktikumseinsatz. „Das waren tolle Projekte“, sagt Burckhardt, die als Baubeauftragte des Kirchenkreises in der Propstei Pasewalk arbeitet.

Auch Siegfried Thews, Vorsitzender des Bauausschusses in der Pasewalker Kirchengemeinde, ist noch immer begeistert: „Besonders spannend war die Aktion in der Kirche in Stolzenburg“, sagt er. Während der Sanierung des Bodens hätten die Jugendlichen den Grund untersucht und rund 40 Münzen aus der gesamten Historie gefunden, „die älteste aus dem 14. Jahrhundert.“ Archäologen vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege leiteten sie an.

Positive Erfahrungen

Eben wegen dieser positiven Erfahrungen hat die Bauabteilung des Pommerschen Kirchenkreises nun einen eigenen FSJ-Platz an ihrer Außenstelle in Pasewalk eingerichtet und sich bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz dafür zertifizieren lassen. Mit der Jugendbauhütte Stralsund-Stettin, die im Auftrag der Denkmal-Stiftung in den vergangenen zehn Jahren rund 300 junge FSJler aus ganz Deutschland und Polen betreut hat, wird sie dabei eng zusammen arbeiten. Menschen zwischen 15 bis 27 Jahre sollen so die Chance bekommen, sich gemeinnützig zu engagieren und berufsvorbereitend zu orientieren. „Im Herbst dieses Jahres geht es bei uns in Pasewalk los“, freut sich Anett Burckhardt.

Aufgrund der ländlichen Randlage sei die Region zwar etwas abseits des Interesses, aber sie habe eine reiche Kulturgeschichte und bewegte Vergangenheit, biete damit die Chance auf viele spannende Einsätze. „Unser FSJ bietet Einblicke in vielfältige Arbeitsbereiche wie Archäologie, Naturschutz, Architektur, Geschichte, Kunstgeschichte, Religion, Denkmalpflege und Bodendenkmalpflege“, sagt Anett Burckhardt. „Zudem vermitteln wir förderstrategisches Denken.“

Mit anderen Augen

Die Theoriestunden soll der FSJler in größeren Gruppen mit anderen FSJ-lern aus der Denkmalpflege in Stralsund absolvieren, im Stammsitz der Jugendbauhütte. Das gleiche gilt für die praktischen Seminare. Anett Burkhardt ist sicher: „Nach der Absolvierung sehen die jungen Menschen die Architektur und die Kulturgeschichte mit ganz anderen Augen.“ Sie könnten viele Fertigkeiten erwerben und ihre Talente besser einschätzen.

Siegfried Thews hofft, dass es zudem gelingt, durch den FSJ-Platz junge Menschen für die Pasewalker Region zu interessieren – oder auch Einheimischen die Vielfalt ihrer Heimatregion stärker zu verdeutlichen.

Info
Die Jugendbauhütte Stralsund-Stettin hat ihren Stammsitz im alten Heilig-Geist-Kloster in Stralsund. Bei der täglichen Arbeit werden die Freiwilligen in der Regel als deutsch-polnisches Tandem eingesetzt. So soll ein grenzübergreifender Erfahrungs- und Gedankenaustausch stattfinden. Das FSJ dauert zwölf Monate, die Kosten für den Pasewalker Platz werden vom Pommerschen Kirchenkreis und der Stiftung Denkmalschutz getragen. Weitere Infos gibt es bei Anett Burckhardt unter Tel. 03973 / 204 97 52, oder unter burckhardt@pek.de.

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