Dreh der Metalband "Lord Of The Lost"

Wie eine Kirche zum Videostar wurde 

Das Video zu ihrem aktuellen Song hat die Metalband „Lord Of The Lost“ in der Wandsbeker Kreuzkirche aufgenommen. Mehr als 190.000 Fans haben es inzwischen auf Youtube gesehen – und diskutieren über das überraschende Ende.

Auch dieses Auto spielt im Video der Band eine Rolle

von Timo Teggatz

Hamburg. Diese Geschichte hat einen traurigen Anfang: Die Oma von Chris Harms liegt im Sterben und wird von Pastor Jan Simonsen begleitet. Er beerdigt sie auch in der Wandsbeker Kreuzkirche und kommt mit Harms, einem professionellen Sänger, ins Gespräch. Später erinnert der Musiker sich an den Theologen, als er einen Drehort für ein Video mit seiner Band sucht. Die Kooperation kommt zustande, und so spielt die Kreuzkirche jetzt eine Hauptrolle – im Video zum Lied „Till Death Us Do Part“ der bekannten Metalband „Lord Of The Lost“.

Eine spannende Kooperation sei das gewesen, sagt Pastorin Linda Pinnecke, die den Dreh für die Wandsbeker Kirchengemeinde koordiniert hat. Als sie zum ersten Mal von dem Plan hörte, begann sie zu recherchieren: Was ist „Lord Of The Lost“ für eine Band? Gibt es Texte, die die Kirche unter der Gürtellinie kritisieren? Doch Pinnecke fand nichts, und so konnte sie auch den Kirchengemeinderat überzeugen, die Kirche den Musikern drei Tage lang für ihren Dreh zu überlassen.

Dass es eine Kirche sein musste, war der Band sofort klar. Denn im Video zum Song „Till Death Us Do Part“ („Bis der Tod uns scheidet“) geht es schließlich um eine Hochzeit. Ein junges Paar bereitet sich in der Kirche auf die Zeremonie vor und wird vom Pastor, dargestellt von Harms, getraut. Dafür hat der Musiker sich übrigens Tipps bei der Pastorin geholt. Linda Pinnecke wies den Sänger ein, wie sich ein Geistlicher bei einer Trauung verhalten muss. Für Pastor Simonsen gab es sogar eine Gastrolle: Er hält der Hochzeitsgesellschaft die Kirchentür auf.

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Inzwischen ist das Video auf der Internetplattform Youtube zu sehen – und hält einen überraschenden Schluss bereit. Direkt nach dem Ja-Wort bedauert der Bräutigam seinen Entschluss offenbar schon wieder. Er dreht sich um, läuft aus der Kirche – und küsst den Pastor, der dort schon gewartet hat. Gemeinsam fahren die beiden im Hochzeitsauto davon.

Das sei nicht nur ein Ende mit einem Augenzwinkern, sagt Harms. Damit wollten die Musiker auch Gesellschaftskritik üben. Auf ihren Tourneen spiele die Band in vielen Ländern und werde oft mit Homophobie konfrontiert. Als Beispiele nennt Harms Polen, China und Russland. Auch wenn in der Band niemand homosexuell sei, hätte sich die Band des Themas angenommen. „Jeder soll so leben, wie er glücklich wird“, sagt Harms. Das sehen einige Fans der Band offenbar anders. Der Sänger berichtet von gehässigen Kommentaren auf Russisch, die Nutzer auf Youtube hinterlassen haben.

Begeistert von der Kirche

Von der Kirche als Drehort seien die Musiker begeistert gewesen, berichtet Harms. Das Gebäude habe eine schöne, andächtige Stimmung verbreitet, sagt der Hamburger, der selbst in keiner Glaubensgemeinschaft Mitglied ist.

Mehr als 190 000 Fans der Band haben das Video im Internet schon gesehen. Das Lied war bereits auf dem Debütalbum von „Lord Of The Lost“. Zum zehnten Geburtstag haben die Hamburger Musiker den Song jetzt neu aufgenommen und auf einem Album mit den größten Hits veröffentlicht. Im Dezember wollen sie ein Jubiläumskonzert in Harburg geben. Auch Pastorin Pinnecke wird dann im Publikum sein. Nach dem Videodreh in ihrer Gemeindekirche ist sie offenbar musikalisch auf den Geschmack gekommen.

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