Wie der Weihnachtsbaum 2016 aussehen muss

Die Italiener lieben es bunt, die Briten kariert, die Deutschen traditionell: Was die Dekoration am Weihnachtsbaum angeht, sind die Geschmäcker weltweit verschieden. Doch es gibt einen Trend: zu mehr Qualität.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Greifswald/Lauscha. Silber, Natur- und Cremetöne – das sind die Trends beim Christbaum-Schmuck in diesem Jahr. "Und shabby-chic ist auch angesagt", weiß Heike Leiendecker. In ihrem Geschäft "Wohnen und Schenken" in Greifswald hat sie schon viele Trends kommen und gehen sehen. "Shabby-chic, das ist dieser Look, wenn Dinge leicht gebraucht aussehen".
"Und alles, was mit Schneemännern zu tun hat, verkaufen wir rauf und runter", sagt Leiendecker. Engel dagegen gehen nicht so. Dabei stellt sie ein geschmackliches Nord-Süd-Gefälle fest, "denn hinter der Main-Linie kehrt sich das um". Flächendeckend zu beobachten ist für die Unternehmerin aber die Hinwendung von Masse zu Klasse. "Die Kunden kaufen eher weniger, dafür Hochwertigeres."

Im Trend: Motive aus Disney-Filmen

Das Zentrum der traditionellen Christbaumschmuck-Herstellung ist immer noch Thüringen. "Das weltweite Weihnachtsgeschäft wird längst von Kundenwünschen und Modetrends bestimmt", bekennt Betriebsleiter Gerd Ross von der Krebs Glas GmbH im südthüringischen Lauscha bei Sonneberg. Das Unternehmen mit 60 Mitarbeitern ist im traditionellen Weihnachtsgeschäft eine der großen Firmen und beliefert unter anderem den Shopping-Riesen "Macy’s" in den USA und das Londoner Traditionskaufhaus "Harrod’s".
Auch Ross bestätigt den Trend zu mehr Produkt-Qualität, "vor allem seit zwei, drei Jahren". 25 bis 40 Euro darf eine Kugel da schon kosten. Die Italiener, sagt Ross, lieben es bunt und blinkend, die Briten finden ungebrochen Gefallen an rot-grün-karierten Kugeln. "Amerika ist noch mal eine andere Nummer". Starker Trend dort ist Christbaumschmuck mit Motiven aus Disney-Filmen.
Zwar ist auch in Deutschland zum Fest erlaubt, was gefällt: Plüsch, Federn, futuristische Zackenkugeln, Affen, Elefanten, Tiger. Dennoch steht Traditionelles wieder höher im Kurs. Die Sehnsucht nach Vertrautem, nach Zeiten, in denen alles besser zu sein schien, schlägt sich auch bei der Glas & Design GmbH im oberfränkischen Neustadt nieder. "Formen aus den 60er Jahren sind bei uns gefragt", erklärt Inhaber Ralf Hömerlein.

Im Januar wird für den Advent 2017 geplant

"Nüsse mit Struktur und Eierformen sind wieder modern." Im Zuge dieser Rückbesinnung produziert das Unternehmen jetzt wieder halbverspiegelte Kugeln, die wie Diamanten glitzern. "Die haben wir vor vier Jahrzehnten das letzte Mal fabriziert", berichtet Hömerlein. "Und jetzt werden sie wieder nachgefragt."
Zu Weihnachten allgegenwärtig sind die Farben Kupfer und Gold, da sind sich die Hersteller einig. "1997 haben wir Kupfer erstmals als Farbe eingeführt und das war eine Bauchlandung, jetzt nimmt die Farbe kontinuierlich Fahrt auf", erzählt Christian Schmidt von der Hamburger Gift Company. Das sei typisch deutsch: "Trends brauchen hier etwas länger."
Wenn der Baumschmuck Anfang des neuen Jahres wieder verpackt wird, bleibt Einzelhändlern wie Heike Leiendecker kaum Zeit zu verschnaufen: Bereits Ende Januar findet in Frankfurt (Main) die nächste große Fachmesse für Weihnachtsschmuck statt. Auf der "Christmasworld" präsentieren jährlich rund 1.000 Aussteller aus 40 Ländern ihre Neuheiten und Trends zum Festschmuck. Dann muss auch sie entscheiden, was im Advent 2017 die Schaufenster ihres Geschäfts schmückt. (epd)