Mit Verhütungsmitteln haben viele Paare offenbar keinen Spaß. In einer Studie schlägt die Weltgesundheitsorganisation nun vor, Kondom und Pille attraktiver zu machen – und hat auch konkrete Ideen für die Umsetzung.
Ob Kondom, Pille oder Spirale: Wenn Menschen verhüten, fühlen sich viele beim Geschlechtsverkehr offenbar unzufrieden. Eine von 20 Personen verhütet deshalb gar nicht mehr – auch dann nicht, wenn sie es eigentlich bräuchte: Das ergibt eine Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), des UN-Programms für menschliche Reproduktion und von “The Pleasure Project”, die am Freitag veröffentlicht wird. Die Organisationen analysierten dafür laut Angaben 64 Studien mit insgesamt 125.000 Teilnehmenden.
Paare, die Verhütungsmaßnahmen abbrechen, erklären dies demnach oft mit schlechterem Sex: geringere Libido, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Sorgen um die sexuelle Zufriedenheit des Partners. Das gelte unabhängig davon, welche Verhütungsmittel Paare benutzen – hormonell oder nicht-hormonell. Die Konsequenzen dieser Entwicklung reichen weit; die WHO warnt vor einem deutlich erhöhten Risiko ungewollter Schwangerschaften und vor einer Ausbreitung sexuell übertragbarer Krankheiten.
Die Organisation rät deshalb dazu, sexuelle Unzufriedenheit bei Verhütungsmitteln offen anzusprechen. Fachpersonal solle geschult werden, um auf die Bedürfnisse von Paaren einzugehen – beispielsweise durch Empfehlungen von Gleitmitteln. Forschung und Produktentwicklung sollten das sexuelle Wohlbefinden stärker berücksichtigen. Verhütungsmittel, so die WHO, könnten dann leichter akzeptiert werden.
Pro Jahr verzeichnet die WHO weltweit rund 80 Millionen ungewollte Schwangerschaften. Laut Prognose ließe sich diese Zahl auf 26 Millionen reduzieren, wenn der weltweite Bedarf an Verhütungsmitteln gedeckt würde. Die Organisation rechnet außerdem mit einer Senkung der Müttersterblichkeit um 25 bis 35 Prozent. Mit “Barrieremethoden” wie Kondomen ließen sich viele übertragbare Infektionen wie HIV, Gonorrhoe, Chlamydien und Syphilis vermeiden.
“Es ist wichtig für die Förderung der sexuellen und damit auch der allgemeinen Gesundheit, dass Verhütungsmethoden ein erfülltes und sicheres Sexualleben ermöglichen”, erklärte Lianne Gonsalves, WHO-Wissenschaftlerin für sexuelle Gesundheit und Hauptautorin der Studie. Der Zugang zu modernen Verhütungsmitteln stelle in vielen Teilen der Welt nach wie vor eine Herausforderung dar. Die Bedeutung sexueller Zufriedenheit spiele aber ebenso eine entscheidende Rolle und dürfe nicht vernachlässigt werden.