Restaurierung dank Fördergelder

Wer spielt die Winzer-Orgel in Hohen Viecheln?

Mit dem Förderbescheid vom Land über 10.000 Euro konnte die Kirchengemeinde Hohen Viecheln mit der Restaurierung ihrer Winzer-Orgel beginnen.

Im Laufboden des Hauptwerkes zeigt Orgelbauer Tobias Rühl Gemeindepastor Dirk Heske das Innere der Winzer-Orgel

von Marion Wulf-Nixdorf

Hohen Viecheln. Meist erklingt in den Gottesdiensten in der hellen, sehr großen Hohen Viecheler Kirche am Schweriner See Musik vom CD-Player. „Wir haben nur wenige ehrenamtliche Organistien weit und breit, und die sind heiß begehrt“, sagt Dirk Heske, seit 21 Jahren Pastor in der Kirchengemeinde. „Und zu Weihnachten spielt bei uns  Sebastian Junius aus Schwerin.“

Umbauten hatten Orgel "kaputt gestimmt"

Vielleicht ändert sich das, wenn die wertvolle Winzer-Orgel von 1859 gründlich gereinigt und wieder auf ihren ursprünglichen romantischen Klang gestimmt ist. Sie sei „bei mehreren Umbauten im Laufe ihres über 150-jährigen Bestehens kaputt gestimmt worden“, sagt Orgelbauer Tobias Rühl, 31, von der Firma Klein in Lübeck, der die Arbeiten, die in der Kirche machbar sind, vornimmt. Zwei ursprüngliche Register, die irgendwann ausgebaut worden waren, werden in Lübeck neu angefertigt – in alter Herstellungsweise. Dabei werden die Platten auf Lehm gegossen und von Hand ausgehobelt, erklärt Rühl. Das sei seiner Kenntnis nach nur in der Orgelfirma Klein  in Lübeck noch möglich.
Vielleicht wird es dann wieder Konzerte im Sommer geben, auch wenn die Hansestadt Wismar mit ihrer großen Nikolaikirche mit der Mende-Orgel und dem gut gefüllten Konzertprogramm nicht weit ist. Und vielleicht wird es auch Orgelspieler geben, die gern mal einen Gottesdienst begleiten.

Orgelbauer Rühl begeistert über Qualität der Winzer-Orgel

Zurzeit liegen viele Holzorgelpfeifen ausgebaut auf dem Boden. Sie müssen stimmbar gemacht werden. Insgesamt müsste die Orgel um die 900 Pfeifen haben, hat der Pastor ausgerechnet. 60 Töne pro Register und das ganze mal 15. „Zur Erbauungszeit der Orgel gab es besonders viele Holzpfeifen“, weiß Tobias Rühl, der ganz begeistert von diesem Instrument ist. „Herr Winzer hat die inneren Metallpfeifen außerordentlich gut gearbeitet, tolle Qualität“, sagt er.
Überhaupt habe die Orgel Besonderheiten, die gesamte Orgelmechanik komme ohne Wellen aus. Winzer habe den direkten Weg gesucht und gefunden. „Ich habe in meiner Laufbahn erst zwei solcher Instrumente gesehen“, sagt Rühl, der bei der Plauer Mecklenburger Orgelbaufirma und in Salzwedel bei Dutschke gelernt hat.

Fetgottesdienst nach Fertigstellung

Die Prospektpfeifen aus Zink bekommen eine neue Lackierung. Die ursprünglichen aus Zinn waren zu Kriegszwecken eingeschmolzen worden, genau wie zwei der drei Glocken. Die dritte Glocke kam nach dem Zweiten Weltkrieg zurück.  Die drei Klaviaturen sind ausgebaut und werden in der Werkstatt in Lübeck aufgearbeitet. Sie bekommen neue Tastenbeläge und eine neue Führung. 
Eingeweiht wird die dann wieder besonders wohl klingende romantische Orgel mit einem Festgottesdienst. Wann steht noch nicht fest.

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